{"corpus":"steiner","locus":"GA 312/1920-04-01/p013","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Nun ist es von Bedeutung, um sich von solchen Dingen, die da in Betracht kommen, zu überzeugen, daß man einmal sein Augenmerk, besser gesagt, sein Empfindungsmerk dafür verwendet, wie man selber an sich gewisse Wirkungen von Außermenschlichem im Menschen beobachten kann. Es läßt sich kaum vermeiden, hier scharf auf die Grenze des Naturwissenschaftlichen und Geisteswissenschaftlichen hinzuweisen. Denn sehen Sie, Sie kommen in der Tat, wenn Sie mit Ihrem medizinisch-meditativen Leben vorrücken, wenn Sie immer mehr und mehr verstehen, sich mit dem meditativen Leben in Einklang zu versetzen, so daß Sie sich fühlen als meditierender Mensch, Sie kommen immer mehr dazu, eine konkrete, reale Selbsterkenntnis zu bekommen. Diese konkrete, reale Selbsterkenntnis, die ist wahrhaftig nicht zu verachten, wenn es sich um positive Aufgaben, wie zum Beispiel um das Heilen im Leben handelt. Da merken Sie, daß Ihnen Dinge im eigenen Organismus bewußt werden, die vorher ganz und gar unbewußt waren, wenn Sie im Meditieren weiterkommen. Sie müssen sich nur Rechenschaft ablegen von dem, was da ins Bewußtsein heraufsteigt, so wird Ihnen bewußt etwas, wovon man jetzt noch schwer reden kann in äußeren öffentlichen Vorträgen oder auch in Laienvorträgen, weil dann eine ganz bestimmte Tendenz entsteht. Würde man von solchen Dingen, wie eines elementar ist, auf das ich jetzt aufmerksam machen will, reden und würden diese Dinge heute schon bei der gegenwärtigen moralischen Verfassung der Menschheit einem größeren Kreise mitgeteilt, dann käme sogleich die Frage: Ja, warum nützt man das nicht aus? — Es käme die Frage: Ja, da soll ich meditieren? — ich kann ja das leichter erreichen, wenn ich diesen oder jenen Stoff mir einfach zuführe. — Es ist bequemer, das oder jenes einzunehmen, statt zu meditieren. Es richtet sich der Mensch dadurch in einer gewissen Weise gerade moralisch zugrunde. Aber die Leute würden doch heute mit der gegenwärtigen moralischen Menschenverfassung nicht nachgeben — Sie werden gleich sehen, was ich eigentlich meine — und würden, statt zu meditieren, lieber irgendein äußeres Mittel einnehmen wollen, das ihnen zunächst auf den ersten Schritten des Weges zu einem ähnlichen Resultate verhelfen würde wie das Meditieren. Es ist tatsächlich so, daß so etwas sein kann. Denn sehen Sie, Sie merken nämlich, wenn Sie eine Zeitlang Ihr Meditieren wirklich fortführen und Neigung haben, sich über solche Dinge Rechenschaft abzugeben, daß Sie geradeso, wie Sie sonst bewußt wissen, Sie haben Hände, mit denen Sie greifen, Füße, mit denen Sie gehen, so zum Bewußtsein der strahlenden Eisenwirkung kommen. Es ist tatsächlich so, daß das Bewußtsein der Eisenwirkung als etwas auftritt, dessen man sich klar wird, wie man sich sonst eben klar wird, daß man Arme und Beine hat oder einen Kopf hat zum Drehen und so weiter. Das Bewußtsein, sich als eisernes Phantom zu fühlen, das ist dasjenige, was auftritt. Das, was ich meine, ist das, daß nun natürlich die Leute kommen und sagen würden: Na ja, man kann also äußerlich durch irgend etwas, was man einnimmt, die Eisenempfindlichkeit, die Sensitivität für das eigene in sich befindliche Eisen erhöhen, dann hat man dieselbe Wirkung. Das ist nämlich für gewisse Schritte durchaus richtig. Aber dann wäre das Gefährliche, die Leute würden anfangen, einfach in dieser Weise zu experimentieren, um auf eine leichte Art zum «Hellsehen», wie man sagt, zu kommen. Diese Dinge sind ja vielfach gemacht worden. Wenn sie gemacht werden, ich möchte sagen, als Opfer für die Menschheit, dann ist das was anderes; aber wenn sie gemacht werden aus Neugier, dann zerstören sie die moralische Verfassung der menschlichen Seele von Grund aus. Ein Mann, der viel nach dieser Richtung hin mit sich selbst experimentiert hat und dadurch eigentlich gerade auf diesem Wege sehr viel gefunden hat von dem, was Sie heute in seinen Schriften finden können, war van Helmont. \\Während bei Paracelsus die Sache vielmehr so lag, daß man das Gefühl hat: seine Erkenntnisse steigen ihm wie atavistisch von innen auf, er trägt sie schon von einer überirdischen Welt in die Welt herein, ist es bei Helmont immer so, daß er merkwürdige Einsichten bekommt, indem er sich selber das oder jenes zuführt. Man sieht das aus der Art und Weise, wie er darstellt, und er deutet es ja an einzelnen Stellen, wie ich glaube, ganz deutlich an. Es ist das Nächstliegende, das erreicht werden kann, die innere Sensitivität für die strahlende Eisenwirkung, für jene eigentümliche Wirkung, die bezeugt, daß von dem oberen Menschen eine strahlende Wirkung ausgeht, die sich nach allen Gliedern verzweigt. Man hat deutlich eben die Anschauung — ich sage ausdrücklich die Anschauung -, daß man da mit dem Eisen, das heißt mit seiner Funktion, mit seinen Kräften in sich wirtschaftet.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Spiritual Science and Medicine","date":"1920-04-01","location":null,"word_count":756,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/312/1920-04-01/p013","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/312/1920-04-01/p013"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/312/1920-04-01/p013","paragraph_aligned":true}]}