Dreizehnter Vortrag
Sie werden nun verstehen, daß ich über diese Dinge aus dem Grunde vorsichtig sprechen muß, weil auf der einen Seite die Tendenz, die damit angegeben wird, absolut richtig ist, auf gut fundierten geisteswissenschaftlichen Forschungen beruht, weil aber auf der anderen Seite in dem Augenblicke, wo nun der praktische Heilungsprozeß anfängt, die volle Abhängigkeit von der Verarbeitung der Mistelsubstanz anfängt, da eigentlich im Grunde genommen kaum die Kenntnisse da sind, um den Prozeß in der richtigen Weise zu betreiben. Hier liegt es natürlich, wo Geisteswissenschaft nur dann günstig wirken könnte, wenn sie tatsächlich in fortwährendem Zusammenwirken mit dem stehen könnte, worauf ja so vieles bei der anderen Ärzteschaft beruht, nämlich mit dem klinischen Prozesse. Und das ist es, was die Beziehungen der Geisteswissenschaft zu der Medizin so schwierig macht, weil ja die beiden Dinge, klinische Beobachtungsmöglichkeiten und geisteswissenschaftliche Untersuchungen, einfach heute durch unsere sozialen Einrichtungen noch ganz auseinanderfallen müssen. Aber gerade aus dem wird eingesehen werden können, daß eigentlich nur auf einen grünen Zweig zu kommen ist, wenn sich beides miteinander verbindet. Also es wird sich darum handeln, daß tatsächlich Erfahrungen gesammelt werden nach dieser Richtung, denn Sie werden ja kaum der Außenwelt irgendwie mit solchen Dingen anders imponieren können, als daß Sie ihr wenigstens Verifikationen durch äußere klinische Berichte und so weiter geben können. Es ist nicht so sehr eine innere Notwendigkeit als gerade eine äußere Notwendigkeit, daß man das braucht.
Cite:
GA 312/1920-04-02/p017 · edition original