Vierzehnter Vortrag

GA 312/1920-04-03/p014 ·1920-04-03 · original (original)
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Nun werden Sie vielleicht mit Recht die Frage aufwerfen können: Ja, kann man denn dann nicht auch all das, was sich so abspielt, bei der Tierheit betrachten? — Nun, die Sache ist gerade so, daß man auf das, um was es sich beim Menschen eigentlich handelt, nur sehr schlecht kommt, wenn man es bei der Tierheit betrachtet. Es ist von mir öfter bei öffentlichen Vorträgen betont worden das, was ich Ihnen jetzt hier, ich möchte sagen, genauer betonen möchte. Sehen Sie, die Menschen denken: Auge ist Auge, Organ ist Organ, Lunge ist Lunge, Leber ist Leber und so weiter. — Das ist aber nicht wahr. Das Auge des Menschen ist das Organ, das auch beim Tier vorkommt als Auge, aber es ist modifiziert dadurch, daß dem Menschen das Ich eingegliedert ist. Ebenso ist es bei allen übrigen Organen. Und das, was geschieht in dem Organ, was namentlich aber beim kranken Menschen die allergrößte Rolle spielt, dafür ist wichtiger diese Durchdringung mit dem Ich als dasjenige, was bei dem vom Ich undurchdrungenen Organe in der Tierheit auftritt. Das ist dasjenige, was immerzu viel zuwenig berücksichtigt wird, und die Menschen sind so, daß sie auf diesem Gebiete wirklich nicht ablassen, immer wieder und wiederum zu urteilen: Da habe ich ein Messer, Messer ist Messer, ich erkläre also das eine als Messer, erkläre das andere als Messer in seiner Entstehungsweise. — Ja aber wenn das eine Messer ein Tischmesser, das andere ein Rasiermesser ist, dann ist es doch unmöglich, sich auf das zu stellen, daß das Messer Messer ist. Ebenso ist es, wenn man herkommt und sagt: Das menschliche Auge und das tierische Auge erklärt man auf dieselbe Weise. — Es ist einfach ein Unding, aus dem bloßen äußeren Anblick das Erklärungsprinzip suchen zu wollen, und insbesondere führt es dann zu nichts, wenn man dann auf den bloßen äußeren Anblick ein Studium begründet. Dieses Studium, das man auf das Tierische begründet, das hindert einen dann, gewisse Verhältnisse beim Menschen ordentlich zu studieren, weil sie eben nur dadurch einem richtig vor das Seelenauge treten, daß man sich bewußt ist: beim Menschen sind gerade die an der Peripherie liegenden Organe am allermeisten von dem Ich durchdrungen und von dem Ich gestaltet.

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Cite: GA 312/1920-04-03/p014 · edition original