Vierzehnter Vortrag

GA 312/1920-04-03/p020 ·1920-04-03 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Wer nicht eigentlich in der Lage ist, einen jeden Krankheitsprozeß gewissermaßen in seinem gesunden Gegenbild aufzusuchen, der kann ihn nicht richtig in die menschliche Organisation eingliedern. Denn diese menschliche Organisation beruht eben einfach darauf, daß gewisse Prozesse, die in der ganzen Natur peripherisch zerstreut sind, zentral verinnerlicht werden. Statt vieler Dinge, die in unserer Physiologie breitgetreten werden, sollte man gerade andere Dinge ins Auge fassen. Sie werden zwar ins Auge gefaßt, aber es wird ihnen nicht jene große Bedeutung beigelest, die sie haben. So zum Beispiel können Sie ja wiederum ganz makroskopisch, ich möchte sagen, trivial verfolgen, wie die Körperhaut über den Körper ausgebreitet ist, wie sie sich aber dann überall einstülpt und in ihren Fortsetzungen die nach innen gelegenen Teile auskleider. Das ist etwas, was von einer außerordentlich großen Bedeutung ist, diese Umkehr der Funktionen, wie sie zum Beispiel eintritt von den Wangen, von den äußeren Teilen des Gesichtes durch die Umkehrung über die Lippen nach innen. Da hat man ja in der Tat am äußeren Menschen noch die Rudimente desjenigen vor sich, was man nur einmal richtig verfolgen sollte in der Embryologie, wo auch alles auf Einsackungen und Umstülpungen eigentlich beruht. Und gerade durch die Verfolgung solcher Dinge, indem man einfach die Verschiedenheit der Reaktion studieren würde, wenn man, sagen wir, Ameisensäure außen auf die Haut verwendet und innen auf die Schleimhäute — wenn man die feine Verschiedenheit, die da auftritt, ins Auge fassen würde, würde das ungeheuer ausschlaggebend sein. Denn das Ganze, was ich Ihnen hier angegeben habe, ist im Grunde genommen nur das Ausführliche für dasjenige, was elementar auf diese Weise auftritt, wie ich es jetzt zuletzt charakterisiert habe. Dann, wenn man solche Studien macht, wird einem entgegentreten die ganze Verschiedenheit des nach außen einfach sich auch ätherisch Umstülpenden der menschlichen Organisation und des nach innen Zentralwerdens der menschlichen Organisation, was polarische Gegensätze sind.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/312/1920-04-03/p020.json
Cite: GA 312/1920-04-03/p020 · edition original