{"corpus":"steiner","locus":"GA 312/1920-04-05/p007","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Die Migräne ist ja in Wahrheit nichts anderes als ein Verlegen von Verdauungstätigkeiten, die eigentlich im übrigen Organismus sitzen sollten, in den Kopf hinein, daher durch alles dasjenige, was den übrigen Organismus zu stark in Anspruch nimmt, wie zum Beispiel die Frauenperiode, in entsprechender Weise auch die Migräne beeinflußt wird. Es ist darüber zu sagen, daß durch dieses Stattfinden einer nicht in den Kopf hineingehörigen Verdauungstätigkeit den Kopfnerven etwas aufgeladen wird, von dem sie im normalen Leben entlastet sind. Gerade dadurch, daß im Kopfe nur eine ganz geregelte Verdauungstätigkeit, also Aufnahmetätigkeit, vor sich geht, dadurch sind die Kopfnerven entlastet, sind zu Sinnesnerven umgestaltet. Dieser Charakter wird ihnen genommen, wenn im Kopfe eine so wie eben charakterisierte ungeordnete Tätigkeit stattfindet. Sie werden daher innerlich empfänglich, empfindlich, und auf dieser innerlichen Empfindung desjenigen, für was der Innenorganismus eben keine Empfindung haben sollte, beruhen auch die Schmerzen, die bei der Migräne auftreten, überhaupt diese ganzen Zustände. Es ist auch durchaus begreiflich, wie ein Mensch sich fühlen muß, der, statt daß er die Umwelt, die Außenwelt wahrnimmt, plötzlich gezwungen ist, das Innere seines Kopfes wahrzunehmen. Nun, wer aber diesen Zustand richtig durchschaut, wird bei der Migräne doch nur als auf das beste Heilmittel auf das InRuhe-Ausschlafen derselben oder dergleichen hinweisen können. Denn alles dasjenige, was sonst angewendet wird oder wozu man manchmal gezwungen ist, es anzuwenden, das ist eigentlich von schädlicher Einwirkung. Wenden Sie da die gewöhnlichen, oftmals angewendeten allopathischen Heilmittel an, so erreichen Sie nämlich das, daß Sie nun diesen nervösen Apparat, der empfindlich geworden ist, betäuben, das heißt, daß Sie seine Tätigkeit heruntersetzen. Ist man einmal mit Migräne behaftet gerade bevor man, sagen wir, in einer Theatervorstellung auftreten sollte, und zieht nun vor, sich etwas zu schädigen, statt nicht auftreten zu können, so kann das, was ich da sage, dann ganz besonders gut beobachtet werden: die Betäubung desjenigen, was eigentlich nicht betäubt werden soll. Natürlich zeigt sich bei solchen Dingen, wie der menschliche Organismus etwas außerordentlich Feines ist und wie man sehr häufig einfach durch das soziale Eingespanntsein in das Leben genötigt ist, gegen das zu sündigen, was der Organismus verlangt. Das ist ja ganz selbstverständlich, das darf nicht eigentlich außer acht gelassen werden, und man ist manchmal genötigt, eine Schädigung, die einfach durch die soziale Stellung des Menschen hervorgerufen ist, hinzunehmen und eventuell ihre Folgeerscheinungen, die dann schon auftreten werden, auszukurieren.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Sechzehnter Vortrag","site_heading":null,"date":"1920-04-05","location":null,"word_count":390,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/312/1920-04-05/p007","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/312/1920-04-05/p007"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/312/1920-04-05/p007"}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}