Sechzehnter Vortrag
Es ist schon von Wichtigkeit, das Wechselspiel von Bewußtem und Unbewußtem in der Zukunftstherapie eine Rolle spielen zu lassen. Denn dadurch wird man auch ein gesundes Urteil sich verschaffen lernen über die eigentümliche Wirkungsweise der, sagen wir, durch Bäder auf den Menschen wirkenden Substanzen. Es ist ein großer Unterschied, ob irgend dasjenige, was ich an den Menschen von außen heranbtinge, in einer Weise wirkt, daß es auf den Menschen einen kalten Eindruck macht, oder ob ich es so heranbringe, daß es einen warmen Eindruck macht. Der kalte Eindruck, der müßte eigentlich so aufgefaßt werden, daß dann, wenn irgend etwas auf mich kühlend wirkt im Umschlag oder im Bade, es im wesentlichen die Substanzwirkung ist, die, wenn eine Heilung da ist, eben heilend wirkt. Da ist es die Substanzwirkung des betreffenden Mittels. Wirkt aber nicht dasjenige, was an mich gebracht wird, kalt, sondern wirkt es warm, zum Beispiel ein warmer Umschlag, dann ist es gar nicht die Substanz, dann ist es fast gleichgültig, welche Substanz man verwendet, dann ist es die Wärmewirkung, die in Betracht kommt, und für die Wärmewirkung ist es schließlich gleich, von welcher Seite sie in Betracht kommt. So daß also bei kalten Umschlägen immer darauf wird gesehen werden können, wie man in der Lage ist, die Flüssigkeit, das Wasser, das man zum Umschlag verwendet, zu tingieren mit diesen oder jenen Substanzen. Man wird diese Substanzen wirksam machen, wenn man sie in kaltem Wasser wirksam machen kann, wenn sie also bei niederer Temperatur löslich sind. Dagegen wird man wenig Substanzwirkungen unmittelbar hervorbringen — wenn man es nicht gerade mit ätherischen Substanzen zu tun hat, die sehr stark aromatisch sind, bei denen ist es etwas anders, da sind Substanzwirkungen auch bei hoher Temperatur vorhanden — bei solchen Substanzen, die sich als feste Substanzen nicht leicht lösen. Man wird eine Heilwirkung bei warmen Umschlägen oder bei warmen Bädern nicht recht hervorbringen können. Dagegen werden Substanzen, die sulphurig, phosphorig sind, wie der Schwefel selber, wenn sie auftreten als Begleiter des warmen Bades, ihre entsprechenden Heilwirkungen gerade da wiederum entfalten können.
Cite:
GA 312/1920-04-05/p009 · edition original