{"corpus":"steiner","locus":"GA 312/1920-04-07/p016","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Ich möchte sagen, dasjenige, was man sonst immer nur von außen anschaut, das Zusammenhalten der äußerlichen, nicht zusammengehörigen Symptome, das tritt einem so entgegen, daß man, ich möchte sagen, es aus seinen Daseinsbeziehungen malen könnte. Das kann natürlich auch unter Umständen im Unterbewußtsein des Menschen so stark wirken, daß wirklich ein Drang entsteht im Menschen, es zunächst, ich möchte sagen, prophetisch zu objektivieren, bevor es sich in den Organismus selber hineinmalt. Dann wird der Mensch den Drang verspüren, das, was in seinem Oberleibe sich ihm entzieht, durch irgendwelche blauen Farbflecke auf die Wand zu malen, und das, was in seinem Unterleibe sich ihm entzieht, durch rote Farbflecke an die Wand zu malen. Wenn irgendwo ein Individuum herumgeht, das sich berufen fühlt, Künstler zu sein und nicht Schneider oder Schuster, das aber wenig gelernt hat in bezug auf die Technik der Malerei, dann können Sie es erleben, daß, wenn dieses Individuum stark genug, robust genug ist zu gleicher Zeit — wozu man nicht äußerlich robust sein muß —, fortwährend entstehen wollende Unterleibserkrankungen zu unterdrücken, es diese Unterleibserkrankungen an die Wand objektiviert, statt sie in den Leib hineinzunehmen. Sie können in der expressionistischen Malerei die Produkte dieser merkwürdigen Tätigkeit finden. Suchen Sie sich in vielem, was Ihnen in expressionistischen Malereien zutage tritt, in alledem, was in den roten und gelben Farben hervortritt, das Befinden des Betreffenden in bezug auf seinen Unterleib. Und suchen Sie sich aus all dem, was blauviolett dadrinnen ist, einen Vers zu bilden auf sein Befinden in dem Oberleibe, in der Lunge oder in all dem, was mit der Lungentätigkeit nach dem Haupte hinauf rhythmisch sich betätigt. Dann, wenn Sie auf solche Dinge eingehen, dann werden Sie auch einen merkwürdigen Einklang finden zwischen dem, was ein Mensch überhaupt tut, und dem, wie er innerlich organisiert ist. Sie werden sich eine gewisse Intuition schaffen aus der Art, wie ein Mensch sich darlebt, ein Bild zu machen von dem Funktionieren seines Leibes. Denn in der Tat ist es so, daß es ganz falsch ist, zu glauben, daß die seelische Tätigkeit, die der Mensch in der äußeren Welt betätigt, durch sein ganzes Auftreten, durch sein ganzes Tun nur etwa abhinge von seinem Nervensystem. Es hängt vom ganzen Menschen ab. Es ist ein Bild des ganzen Menschen. Man kann es zu einer intuitiven Anschauung bringen, schon beim Kinde beobachten zu können, wie eigentlich dieser intellektuelle Mensch beschaffen ist, wie er dem späteren Alter entgegenstrebt, wenn man sich vergegenwärtigt, wie jemand zum Beispiel, der dazu verurteilt ist, all die Schädigungen zu übernehmen im späteren Alter eines zurückgebliebenen Wachstums, in der Kindheit einfach zeigt, daß dasjenige, was ihn nicht nach oben kommen läßt, ihn veranlaßt dazu, plump, stark aufzutreten. Aus der Art und Weise, ob ein Kind verhältnismäßig leicht auftritt oder ob es stark auftritt, können Sie sich eine intuitive Vorstellung machen von dem, wie es wachsen wird. Zahlreiche ähnliche Erscheinungen, die weisen uns darauf hin, wie die ganze Geste, die ganze Gebärde des menschlichen Auftretens eben nichts anderes ist als eine in Bewegung gekommene Wechselwirkung der inneren Glieder des menschlichen Organismus.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Achtzehnter Vortrag","site_heading":null,"date":"1920-04-07","location":null,"word_count":507,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/312/1920-04-07/p016","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/312/1920-04-07/p016"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/312/1920-04-07/p016","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}