{"corpus":"steiner","locus":"GA 314/1920-03-26/p013","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Das aber ist vor allen Dingen für die Psychiatrie notwendig, denn da wird man erst auf einen grünen Zweig kommen, wenn man in der Lage sein wird, die entsprechenden Tatsachen richtig zu beobachten. Und die Tatsachen der Psychiatrie, die sind im Grunde genommen noch schwieriger zu beobachten, weil sie eine größere Vorurteilslosigkeit erfordern als die Tatsachen der physischen Gesetzwirkung. Denn in dem Menschenleben gibt es eigentlich im Grunde genommen, sobald man vom sogenannten Gesunden, relativ Gesunden, zu dem relativ Kranken übergeht, fast keine Möglichkeit, den Menschen vollständig zu isolieren. Der Mensch entwickelt sich gewiß zu einer völligen Individualität, zu einem isolierten Leben. Das tut er gerade durch sein Psychisches, aber durch dasjenige, was im Psychischen abweicht von der geradlinigen Entwickelung. Was im Physischen abweicht von der geradlinigen, sogenannten normalen Entwickelung, das ist nicht so. Ich kann das nur andeuten natürlich, man müßte sonst stundenlange Ausführungen machen, wenn man es im einzelnen belegen wollte, es ist nicht so, daß man es isoliert betrachten kann; der Mensch ist viel mehr ein, auch im tieferen Sinne genommen, soziales Wesen, als man gewöhnlich meint. Und insbesondere lassen sich eigentlich psychische Erkrankungen in den seltensten Fällen bloß beurteilen nach, sagen wir, der Biographie des einzelnen, isolierten Individuums. Das ist fast ganz unmöglich.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Zur Psychiatrie","site_heading":null,"date":"1920-03-26","location":null,"word_count":207,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/314/1920-03-26/p013","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/314/1920-03-26/p013"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/314/1920-03-26/p013","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null},"other_renderings":{"loci":[{"locus":"GA 73a/1920-03-26","ga":"73a","lecture":"1920-03-26","kind":"reprint","relation":"the same text served under another volume (a reprint or another edition)"}],"note":"The same lecture is also served at the loci listed, each with how it relates to this one. They are ONE witness, not independent attestations: quote the rendering you fetched, and do not cite another as corroborating it. Wording differs between translations, so a quotation found in one need not occur in the other."}}