Zur Psychiatrie

GA 314/1920-03-26/p020 ·1920-03-26 · original (original)
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Sehen Sie, dasjenige, was schließlich vor allen Dingen herauskommen muß aus einem — lassen Sie mich das triviale Wort gebrauchen — Populärwerden der Geisteswissenschaft, das ist eine viel, viel bessere Menschenerkenntnis, als Sie sie heute finden können. Die Menschen stehen sich ja so gegenüber heute, daß von einer Menschenerkenntnis gar nicht gesprochen werden kann. Die Menschen gehen aneinander vorbei, jeder lebt nur in sich. Geisteswissenschaft wird die Menschen aufschließen füreinander. Und dann wird vor allen Dingen vieles von dem, wovon man heute vielleicht noch glaubt, daß es auf dem Gebiete der psychischen Pathologie liege, gerade dadurch hinübergetrieben werden in das Gebiet der psychischen Hygiene. Denn die Sachen liegen gerade durchaus so, daß, ich möchte sagen, durchaus überall sich gradlinige Strömungen von den Symptomkomplexen des gestörten psychischen Lebens ziehen lassen zu den gerade heute im öffentlichen Leben vielfach Gang-und-GäbeVorstellungen, die nun gar nicht als krankhaft gelten, sondern die eben allgemein angenommen sind. Und würde man manchen sehr allgemein angenommenen Begriffen nachgehen, dann würde man finden, daß zwar langsamer, aber schließlich doch derselbe Weg genommen worden ist, der sich zeigt bei der Verfolgung eines psychisch abnormen Symptomkomplexes, der allerdings mit Schnelligkeit dann abläuft bei einem, den man heute psychisch abnorm findet.

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