Zur Psychiatrie
Denn es ist ja durchaus merkwürdig, wie schwierig eine richtige Grenze zu ziehen ist zwischen dem sogenannten normalen Leben und dem psychischen unnormalen Leben. Es ist zum Beispiel schwer zu sagen, ob eine psychische Normalität vorliegt, sagen wir in dem Falle, der sich ja nicht weit von hier, vor nicht allzulanger Zeit in Basel zugetragen hat, wo ein Mann eine große Summe dafür testamentarisch ausgesetzt hat, daß irgend jemand sich einschließt in völlige Einsamkeit so lange, bis es ihm gelungen ist, die Unsterblichkeit der Seele wirklich zu beweisen. Das ist testamentarisch von einem Manne in Basel gemacht worden, und ich weiß nicht, was das weitere Schicksal der Sache war. Ich glaube, es haben die Erben dagegen Einspruch erhoben und haben dazumal — allerdings nicht psychiatrisch, sondern juristisch — die Sache zu entscheiden versucht, inwieweit sie ins Psychiatrische hineinspielt oder nicht. Aber wenn Sie sich nun wirklich, jeder einzelne, auf den Weg begeben, zu untersuchen, ob das psychiatrisch zu beurteilen oder ob es eine Mucke ist oder ob es nun wirklich eine übergroße Religiosität ist oder was schon immer, da werden Sie kaum in einer vollen Exaktheit zurechtkommen.
Cite:
GA 314/1920-03-26/p022 · edition original