Zweiter Vortrag

GA 314/1920-10-08/p004 ·1920-10-08 · original (original)
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Wir können, wenn wir die äußere Natur betrachten, den fertigen Naturprozessen gegenüber nichts anderes sagen als: Die Natur erkennen heißt höchstens in Gedanken die Natur nachschaffen. Also dasjenige, was wir unsere Gedanken nennen und was es nicht weiterbringt als zu einem Nachschaffen der Natur, dem die innere Bildekraft fehlt, das entwickeln wir eigentlich in unserem Denken, in dem von Gedanken, von Vorstellungen durchtränkten Seelenleben. Aber es ist ja schon hingewiesen worden darauf, wie dieses von Vorstellungen durchtränkte Seelenleben im Grunde genommen nichts anderes ist als dasjenige, was sich um die Zahnwechselperiode herum aus dem physisch-ätherischen Organismus heraus emanzipiert, was man also bis zum Zahnwechsel hin im physisch-ätherischen Organismus des Menschen drinnen hat. So daß man dasjenige, was da im physisch-ätherischen Menschen kraftet in den Kinderjahren, was da wirklich eine schaffende Tätigkeit ausübt, eine schöpferische Tätigkeit, dann abgeschwächt hat, abgetönt im Seelenleben als eine Bilderwelt oder Gedankenwelt oder Vorstellungswelt, kurz, ich möchte sagen, als eine von ihrer schöpferischen Substantialität herunter verdünnte Weltenkraft, in den Gedanken, in den Vorstellungen drinnen. Es sitzt also einfach in unserem Organismus dasjenige, was wir vom siebenten Jahre ab erkennen, das sitzt einfach organisierend in unserem Organismus drinnen. Da schafft es. Da schafft es zwar nicht so, daß wir es sehen können schaffend in der äußeren Natur, aber da sehen wir es schaffend drinnen in unserem eigenen Organismus. So daß, wenn das Kind schon ein Weiser sein könnte und sich aussprechen könnte nun nicht über die äußere Natur, sondern über dasjenige, was in seinem Innern vorgeht, wenn das Kind in sein Inneres blicken und dort die Natur durchschauen könnte, dann würde es sagen, wie Schelling gesagt hat: Diese Natur erkennen heißt diese Natur schaffen -, denn da würde das Kind sich einfach durchimprägnieren mit den schaffenden Kräften, würde eins werden mit diesen schaffenden Kräften. Und Schelling hat in seinem medizinischen Instinkt, in seinem physiologischen Instinkt, nichts anderes getan als dasjenige, was für das ganze spätere Leben eine Absurdität ist, heraufgeholt aus dem Kindheitszeitalter und hat es herausgestoßen, indem er gewissermaßen gesagt hat: All dieses Erkennen im Alter ist doch nichts anderes als ein ohnmächtiges Bildergespinst; könnte man als Kind erkennen, dann würde man sagen müssen: Erkennen heißt eigentlich schaffen, heißt schöpferische Tätigkeit entwickeln. Aber wir können diese schöpferische Tätigkeit nur schauen in dem eigenen Inneren.

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Cite: GA 314/1920-10-08/p004 · edition original