Zweiter Vortrag
So daß man sagen kann: Sie weist auf das interessante Phänomen erklärend hin, das sich — man braucht nur eine kurze Zeit zurückzublicken — vielleicht noch bei Griesinger oder anderen, oder in der Vor-Griesingerschen Zeit in der Psychiatrie findet, so daß sich zeigt, daß vor verhältnismäßig kurzer Zeit die Psychiater auch noch wenigstens den körperlichen Tatbestand einbezogen haben in ihre Diagnose. Was ist heute immer häufiger und häufiger geworden? Daß einen die Psychiater überhäufen in ihrer Literatur mit Krankheitsbildern, die lediglich eine Beschreibung der Abnormitäten des Geistig-Seelischen sind. So daß hier der Materialismus in ein abstrakt Geistig-Seelisches gerade hineingeführt hat. Das ist seine Tragik. Da hat er gerade aus dem Materiellen herausgeführt. Das ist das Merkwürdige für den Materialismus, daß er an gewissen Stellen gerade zum Unverständnis, zum Nichtbegreifen des Materiellen führt, während derjenige, der den Geist verfolgt als eine wirkliche Tatsache, ihn auch da verfolgt, wo er hineinwirkt in das Materielle, und wo er sich dann dem Materiellen entzieht, so daß das Materielle sich ablagert, wie in den sogenannten Geisteskrankheiten.
Cite:
GA 314/1920-10-08/p016 · edition original