Dritter Vortrag
Ich habe Sie ja aufmerksam gemacht darauf, wie auf der einen Seite im menschlichen Organisationsprozeß drinnensteht das Geistig-Seelische, welches in den physischen Erkrankungsprozessen gewissermaßen überwuchert, so daß dieses Geistig-Seelische nicht in der richtigen Weise abgesondert wirkt von dem physischen Organ und daher in ihm wuchert. Wir haben es dann mit all den Krankheiten zu tun, welche nach Neubildungen im Organismus treiben. Wir haben es auf der anderen Seite mit solchen Erkrankungen zu tun, in denen das Geistig-Seelische in einer solchen Art sich ausbildet, daß es zu wenig eingreift in den physischen Organismus, daher gewisse Teile des physischen Organismus den nicht von der menschlichen Organisation ergriffenen Prozessen, sondern den untergeordneten Prozessen des Naturdaseins überläßt, möchte ich sagen, so daß sich in einem überragenden Maße Organe — wenn ich das Wort gebrauchen darf — verphysizieren, statt daß sie sich seelisch-geistig durchdringen würden. Dann flutet das Seelisch-Geistige heraus, ohne daß es in der richtigen Weise mit dem Ich-Bewußtsein überspannt werden kann, und es entstehen alle diejenigen Erkrankungsformen, welche man uneigentlich als Geisteskrankheiten bezeichnet.
Cite:
GA 314/1920-10-09/p004 · edition original