{"corpus":"steiner","locus":"GA 314/1920-10-09/p006","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wenn man dann diese Gliederung des Menschen versteht, über die man viele Vorträge halten könnte, um sie in allen Details zu schildern, kommt man dazu, deutlich die Unterschiede anzuschauen, welche bestehen zwischen dem Kopfsystem, also dem Nerven-Sinnessystem auf der einen Seite, dem Stoffwechsel-Gliedmaßensystem auf der anderen Seite und dem mittleren System, dem rhythmischen System, das im wesentlichen dazu berufen ist, den Ausgleich zwischen den beiden anderen Systemen zu bewirken. Wir haben dann, wenn wir die ganze Wesenheit des Menschen umfassen wollen, das Folgende vor uns: Die eigentliche vorstellende und wahrnehmende Tätigkeit des Menschen, sie hat zu ihrer Grundlage, man kann nicht einmal sagen zum Werkzeug, aber zu ihrer physischen Grundlage alles dasjenige, was sich abspielt physisch im Nerven-Sinnessystem. Es ist nun nicht so, wie eine neuere Psychologie und Physiologie meint, daß sich im Nerven-Sinnessystem auch diejenigen Prozesse abspielen, die in primärer Weise zusammenhängen mit dem Gefühls- und Willenssystem. Nein, das hält vor einem genaueren Studium der Sache nicht stand. Dieses genauere Studium finden Sie, wenigstens in seinen Leitlinien, angedeutet in meinem Buche «Von Seelenrätseln»; aber nach dieser Richtung wird eben sehr viel Detailarbeit noch zu leisten sein. Dann wird sich schon dasjenige, was Geisteswissenschaft heute mit Gewißheit von ihrer Seite zu sagen hat, auch von der anderen Seite, von der physisch-empirischen Seite her herausstellen, dann wird sich herausstellen, daß das Fühlen des Menschen nicht zusammenhängt in primärer Weise mit dem Nerven:Sinnessystem, sondern mit dem rhythmischen System, daß geradeso, wie das Nerven-Sinnessystem entspricht dem vorstellenden Wahrnehmen, das rhythmische System entspricht dem Fühlen, und daß erst durch die Wechselwirkung des rhythmischen Systems mit dem Nerven-Sinnessystem, auf dem Umwege durch den Rhythmus des Gehirnwassers, der heranschlägt an das Nerven-Sinnessystem, eingeschaltet wird das Nerven-Sinnessystem als Träger des Vorstellungslebens dann, wenn wir unsere Gefühle zu Vorstellungen erheben, wodurch das dumpf-traumhafte Gefühlsleben von uns selber wahrgenommen und vorgestellt wird auf innerliche Weise. Und ebenso, wie das Gefühlsleben direkt zusammenhängt mit dem rhythmischen System und indirekt durch dieses vermittelt wird, so hängt direkt zusammen das Willensleben mit dem Stoffwechselsystem. Und dieser Zusammenhang ist dann wiederum so, daß in sekundärer Weise, weil der Stoffwechsel natürlich auch im Gehirn vor sich geht, das Stoffwechselsystem in seinen Funktionen an das Nerven-Sinnessystem heranschlägt und auf diese Weise wir innerlich zustandebringen die Vorstellungen von unseren Willensimpulsen, die sonst in einem dumpfen Schlafesleben innerhalb unseres Organismus spielen würden.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Dritter Vortrag","site_heading":null,"date":"1920-10-09","location":null,"word_count":385,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/314/1920-10-09/p006","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/314/1920-10-09/p006"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/314/1920-10-09/p006"}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}