Dritter Vortrag

GA 314/1920-10-09/p010 ·1920-10-09 · original (original)
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Aber was ist da eigentlich vorhanden? Sehen Sie sich nur die Sache einmal genauer an. Wenn der Abbauprozeß der Nerven-Sinnesorganisation hineinwirkt durch den Rhythmus in das Stoffwechsel-Gliedmaßensystem, dann ist etwas vorhanden, was entgegenwirkt dem Stoffwechsel-Gliedmaßensystem, was für dieses Stoffwechsel-Gliedmaßensystem Gift ist. Und umgekehrt ist dasjenige, was im Aufbausystem vorhanden ist, wenn es im Rhythmus hineinwirkt in das Kopfsystem, für das Kopfsystem Gift. Und da die Systeme, wie ich angedeutet habe, über den ganzen übrigen Organismus ausgebreitet sind, so hat man es überall im menschlichen Organismus zu tun mit einem fortwährenden Giften und Entgiften, was durch den rhythmischen Prozeß zum Ausgleich gebracht wird. Wir sehen also nicht hinein in einen solchen Naturprozeß, wie man ihn sich gewöhnlich vorstellen möchte, der einseitig — einsichtig, möchte ich sagen — verläuft, so daß man die gesunden Prozesse einfach als die normalen bezeichnen kann, sondern wir sehen hinein in zwei einander entgegenwirkende Prozesse, von denen der eine für den anderen durchaus ein kränkender Prozeß ist, und wir können gar nicht leben im physischen Organismus, ohne daß wir unser Gliedmaßen-Stoffwechselsystem fortwährend den Krankheitsursachen des Kopfsystems, und das Kopfsystem den Krankheitsursachen des Stoffwechselsystems aussetzen. Und so wie die Waage, wenn sie nicht gleichmäßig belastet ist, so ausschlägt, ganz nach Naturgesetzen, daß der Waagebalken nicht horizontal liegt, so ist, weil das Leben ein in sich bewegliches ist, einfach nicht ein ruhender Gleichgewichtszustand vorhanden, sondern ein Gleichgewichtszustand, der nach beiden Seiten in Unregelmäßigkeit ausschlagen kann. Und heilen heißt nichts anderes, als zum Beispiel das Kopfsystem, wenn es zu stark vergiftend wirkt auf das Stoffwechselsystem, seiner vergiftenden Wirkung zu entladen, ihm seine vergiftende Wirkung zu nehmen. Oder umgekehrt, wenn das Gliedmaßen-Stoffwechselsystem zu stark auf das Kopfsystem vergiftend, das heißt wuchernd wirkt, muß ihm seine Giftwirkung genommen werden. Aber zu einer vollständigen Anschauung auf diesem Gebiete kommt man erst, wenn man nun wiederum dasjenige, was man in die Lage kommt am Menschen zu beobachten, ausdehnt auf die Beobachtung der ganzen Natur, wenn man nun diese Natur im geisteswissenschaftlichen Sinne aufzufassen in der Lage ist. Wenn Sie zum Beispiel den Pflanzenbildeprozeß ins Auge fassen, dann haben Sie ganz deutlich, ich möchte sagen, im Allermakroskopischsten, ganz deutlich ein Aufwärtsstreben des Pflanzenbildeprozesses, ein Hinwegstreben vom Erdenzentrum, und Sie können reizvoll diese sich metamorphosierenden Bildebestrebungen der Pflanzen, wenigstens den ersten Linien nach, den Grundlinien nach, in Goethes «Metamorphose der Pflanzen» studieren.

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Cite: GA 314/1920-10-09/p010 · edition original