Besprechungen II
Ebensogut kann man jetzt wiederum sagen: Es sollte natürlich meditativ sein. Sie können den Gelenkrheumatismus meditieren, können Diabetes meditieren. Dadurch werden Sie aber wiederum zurückgetrieben. Es ist das ein sehr guter Weg, um zu geisteswissenschaftlicher Beobachtung zu kommen, wenn Sie einen Krankheitsprozeß nach den Symptomen meditieren. Es kann nur nicht leicht der umgekehrte Weg gegangen werden. Sie können es sogar machen wie die Homöopathen, die den Symptomenkomplex zusammensetzen und nach diesem die Therapie machen. Nur da kommt es — ich sage nicht einmal: es kann, ich weiß, daß es so ist — immer wieder vor, daß Symptome überschätzt und unterschätzt werden, daß sie falsch zusammengestellt werden, so daß zuweilen ein Symptomenkomplex, der von Homöopathen zusammengesetzt ist, überhaupt eine Karikatur der Wirklichkeit ist. Wenn Sie das meditieren, meditieren Sie sich hinein in die Karikaturen. Wenn Sie eine wirkliche geisteswissenschaftliche Ursache haben, ist das maßgebend für den Symptomenkomplex, dann überschätzen und unterschätzen Sie keines der Symptome. Sie werden bemerkt haben, die Symptome haben wir vorangestellt, das sind keine Karikaturen, sondern gut ausgebildete Symptomenkomplexe. Wenn Sie meditieren, kommen Sie zur Unmöglichkeit, geisteswissenschaftliche Befunde zu machen. Und wenn jemand sagt, das geht nicht, da muß ich sagen: Probiere es einmal, aber nicht von einem beliebig zusammengestellten Symptomenkomplex, sondern von einem geisteswissenschaftlich konstatierten Symptomenkomplex.
Cite:
GA 314/1924-04-23/p079 · edition original