Vierter Vortrag
Sehen Sie, blickt man so hin in die Welt, dann muß man diese Dinge wirklich gemütvoll auffassen. Da bekommt man einen Sinn dafür, daß ja im menschlichen Lebenslauf auf Erden hier die Tendenz eintritt, daß die Individualität, die herüberkommt von vorigen Erdenleben, das erfaßt, was aus der Vererbungsströmung nun wie ein Modell da ist. Ich habe Ihnen ja schon von dem Kampfe gesprochen, der da besteht zwischen dem, was da geformt wird nach dem Modell als der zweite Menschenleib gegenüber dem ersten modellhaften Menschenleib. Weiß man, daßß man einen Menschen vor sich hat, der da eigentlich an die Oberfläche sich arbeitet, dann weiß man, daß an diesem Menschen arbeitet, was aus früheren Inkarnationen herüberkommt. Und es ist wirklich so: Der diese Dinge mit seinem Herzen, mit seiner Seele durchdringende Mensch hat am meisten Gelegenheit, im kranken Menschen dasjenige, was aus früheren Inkarnationen herüberkommt, wahrzunehmen oder wenigstens ahnend zu empfinden. Denn worauf beruht das eigentlich, was in der Krankheit zutage tritt? Beim gesunden Menschen ist das eigentlich so: Da ist die Kopforganisation, die eigentlich äußerlich schon abgetrennt ist von der übrigen Organisation in seiner Gestaltung. Der Kopf ist ein Knochengehäuse, in das das Gehirn eingeschlossen ist. Was Fortsetzung des Kopfes ist, ist auch in Knochen eingeschlossen. Es ist für sich da, und dann schließt sich das andere an, was zum Menschen gehört. Aber in der feineren Organisation des Menschen ist etwas da, was abgrenzt voneinander diese beiden Partien. Sehen Sie, man kann nicht durch die äußere Anatomie und durch die äußere Physiologie das so leicht nachweisen, aber es ist ungeheuer viel zu beachten in dem, was in der Umwandlung der Nahrungsstoffe zum Beispiel darin besteht, daß diese Nahrungsstoffe in ihrer innerlichen Struktur nicht so, wie sie sind, in die Kopfesorganisation, nicht einmal in die Nervenorganisation hineingehen. Es ist eine Grenze scharf fixiert, die nicht überschritten werden kann. Von wem nicht überschritten werden darf? Nun, sehen Sie, in der Kopfesorganisation wirkt von Anfang der menschlichen Erdenentwickelung an am stärksten dasjenige, was von früheren Erdenleben an Kraft sich durch die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt erhalten hat. Vom Kopfe geht das aus, was als Individualitätskraft des Kindes wirkt. Aber es darf nicht ungesiebt in die übrige Körperorganisation hinunter. Es muß ein Sieb da sein, eine Zwischenschichte. Es ist nicht äußerlich sichtbar, aber es ist in der Organisation da. Es geht nichts ungesiebt hinunter. Es darf nicht die Lunge als organisches Glied oder die Leber als organisches Glied unmittelbar ergriffen werden von dem, was aus früheren Inkarnationen an Kräften herüberkommt; die vertragen das nicht. Und es entsteht eigentlich im Menschen ein Furchtbares, wenn man sich sagen muß, an seine Leber kommt heran ganz ungesiebt die Kraft aus früheren Erdenleben. Das, was menschliche Individualität ist, das wandelt ja in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt die Kräfte, die in Lunge und Leber, im Gliedmaßen-Stoffwechselsystem, zum Teil auch im rhythmischen System liegen, um in Kopfesorganisation. Die Gliedmaßen-Stoffwechselorganisation wird erst wieder angegliedert von außen her. Da darf erst wieder die menschliche Individualität, die ewig ist, hinein, wenn der Mensch durch die 'Todespforte gegangen ist, wenn das Physisch-Stoffliche davon abfällt und nur die Kräfte von Lunge und Leber durch die Todespforte gegangen sind, so daß Schädigung im Menschen entsteht während des Erdenlebens, wenn die Individualität hineinkommt in gewisse Organe, an die sie nicht herankommen sollte.
Cite:
GA 316/1924-04-24/p019 · edition original