{"corpus":"steiner","locus":"GA 316/1924-04-24/p021","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Das sind die Dinge, sehen Sie, die wir vor allem gemüthaft auf uns wirken lassen sollen. Die Dinge werden dadurch esoterisch, daß man sie gemüthaft auf sich wirken läßt; und so etwas wie das Lukas-Evangelium enthält die ganze Stimmung, die man braucht, um in diesem Gefühl weiterzukommen. Daher ist es schon so, daß die Dinge objektiv entstanden sind, vier Fakultäten sind entstanden: eine Lukas-Fakultät, eine Matthäus-Fakultät, eine Markus-Fakultät und eine Johannes-Fakultät, aber man spürt heute nichts davon, weil der Arabismus besonders in der Medizin lebt. Eine Durchchristung wird stattfinden, wenn die Dinge so gefaßt werden, daß man wieder zum Kosmischen kommt. Da muß man sich auch bewußt sein seiner kosmischen Stellung als Arzt. Sie werden aus alledem ersehen haben, wie stark beteiligt die im Monde dirigierenden Kräfte auf die menschliche Gestalt sind. Wenn die mondendirigierenden Kräfte der menschlichen Gestalt zu unregelmäßig wirken, dann muß man den Sinn darauf lenken können, dann muß man sich klar sein können darüber, man heilt dadurch, daß man da das Stück Unregelmäßigkeit, das dadrinnen lebt in der Gestalt, wegläßt; und das geschieht dann, wenn man eben den Kranken so behandelt, daß das kosmische Bewußtsein mitspricht. Dann aber, sehen Sie, muß gewissermaßen überschaubar werden das andere. Man muß einen Gesichtspunkt gewinnen. Sie müssen von außen etwas anschauen. Sie können ja nicht das Auge anschauen von außen. Dasjenige, was uns von außen alles anschauen läßt, was da wirkt, das ist dasjenige, was uns auf der andern Seite klare Begriffe gibt von allem, aber in diese klaren Begriffe nicht gleich die Abstraktion hineinzieht, sondern unser Herz mitdenken läßt. Wir dürfen nicht in unseren Begriffen verworren werden, aber wir müssen auch nicht das Herz ausschließen aus unserem abstrakten Denken. Wir müssen dadurch Mensch sein, daß wir ein ganzer Mensch sind, daß das Herz immer mitdenkt. Wir müssen daher darnach streben, nicht bloß in die Welt hineinzudenken, abstrakt hineinzudenken, und das tut heute im Grunde genommen alles Denken. Wir müssen uns klar sein, daß wir untertauchen müssen mit unserem Denken, das Herz müssen wir in alles hineintragen. Wir müssen auch dasjenige, was sich um die Gedanken herzlich herumwindet, kennen, wir müssen den Merkurstab wieder handhaben lernen, und wir werden das nicht anders, als wenn wir vom Mond herübergehen zum Merkur. Das ist dasjenige, was ich für das allgemeine Kulturleben dazumal gemeint habe in den Vorträgen, die auch von Raphael gehandelt haben, denn Raphael ist gerade der christliche Merkur. Wenn Sie sich mit einem solchen Bewußtsein durchdringen, werden Sie die richtigen Gefühle bekommen für dasjenige, wofür Sie eigentlich wirken müssen, wenn Sie sich als junge Leute heute in die Medizin hineinversetzen. Überall in der Welt sprudelt ja das Gegenteil von dem hervor, was der Sache nach geschehen sollte, und gerade in bezug auf das medizinische Wesen ist ein Furchtbares im Grunde genommen in der letzten Zeit hervorgetreten. Das ist - verzeihen Sie, daß ich zu etwas Alltäglichem heruntersteige, aber es zeigt sich, wie das Gegenteil wirkt -, das ist das medizinische Krankenkassenwesen. Da ist der Arzt vor allem ausgeschaltet. In Deutschland hat man einen Ausdruck dafür, der bezeugt die Ausschaltung des Menschlichen im Arzt, der bezeugt, daß man meint, hier wirken die abstrakten Dinge und nicht der Mensch. In Wirklichkeit heilt der Arzt und nicht die Arztwissenschaft. Aber man meint, die Arztwissenschaft ist etwas, was herumfliegt ohne den Menschen. Der Mensch kommt nicht in Betracht; es wird dem Karma geradezu ins Gesicht geschlagen. Denn das Karma wirkt so, daß es nicht blindlings Mensch zu Mensch hinstellt, sondern daß tatsächlich, wo die Möglichkeit vorliegt, in der freien Ärztewahl ein karmisches Element zum Vorschein kommt. Aber in dem rein Ahrimanischen der Einrichtung der Krankenkassenärzte wird das Karma vollständig beseitigt, und der Mensch wird ausgesetzt den rein das Karma bekämpfenden ahrimanischen Mächten. Wenn wir noch einmal zusammenkommen, werde ich Ihnen erzählen, wie die ahrimaniischen Mächte darauf aus sind, das Karma des Menschen totzuschlagen, damit sie ihr Ziel erreichen. Aber das ist, was direkt im Krankenkassenwesen und der Einrichtung der nicht freien Ärztewahl liegt, und damit zeigt sich nur dasjenige an, was, nicht wahr, in der Sprache zum Ausdruck gekommen ist, indem man den Ausdruck «Heilgewerbe» gewählt hat. Ich glaube, er steht sogar im Gesetz über die Krankenkassen. Da geht so hervor die ganze Stimmung, die über dem Krankenkassenwesen, über dem Auffassen des Ärztewesens als «Heilgewerbe» liegt. Es liegt so in der Zeit, daß darinnen symptomatisch diejenige Kulturkrankheit herauskommt, die in zahlreichen andern Dingen heute erscheint und die bezeugt, wie gerade der Arzt unbedingt mithelfen muß an der Heilung dieser Kulturkrankheiten. Aber wenn er selbst in die Lage kommt, wo er am schärfsten ausgesetzt ist dieser Kulturkrankheit, dann wird der Arzt vollständig gelähmt. Und denken Sie, daß das furchtbare Faktum vorliegt in der Einrichtung der Krankenkassen. Sie haben ja auch ihr Gutes, wie das, was in der Welt auftritt und die Menschen versucht und irreführen will, gleißend auftritt, nicht so, daß es einem unbedingt mißfällt. Der Teufel nimmt immer Engelsgestalt an, wenn er erscheint. Derjenige, der den Teufel in Teufelsgestalt sieht in der Vision, kann überzeugt sein, daß es nicht der Teufel ist, denn der erscheint in Engelsgestalt. Wenn der Arzt ausgesetzt ist dem schärfsten Impuls einer Kulturerkrankung, dann muß im Grunde unsere Kultur in eine kranke übergehen. Daher ist es notwendig, daß Sie beachten Ihr Karma, wie es Sie hinstellt, um nicht nur mitzuarbeiten im Arzneiwesen, sondern im kranken Wesen des sozialen Organismus.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Vierter Vortrag","site_heading":null,"date":"1924-04-24","location":null,"word_count":889,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/316/1924-04-24/p021","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/316/1924-04-24/p021"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/316/1924-04-24/p021"}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. 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