Fünfter Vortrag
Das ist wiederum etwas, was sich auch bezieht auf Fragen, die Einzelne gestellt haben in bezug auf das Verhältnis von Medizin und Pädagogik. Denn alle Grade zwischen diesen zwei Extremen hat man ja im kindlichen Organismus vor sich. Bei dem einen Kind hat mehr die Astral- und Ich-Organisation die Tendenz, den physischen Leib und Ätherleib geistig zu machen, bei dem andern Kinde mehr die Tendenz, sich selber die Form geben zu lassen vom Physischen und Ätherischen; und dazwischen sind alle möglichen Zwischenstufen vorhanden. Es drückt sich auch dieses Grundgesetz wiederum im Temperament aus. Wenn das der Fall ist, daß der Astralleib und die Ich-Organisation ganz stark, vehement die Tendenz haben - noch nicht so wie beim Verrückten, so daß der Mensch noch zurechtkommt -, aber vehement die Tendenz haben, Formen aus dem physischen oder ätherischen Leib anzunehmen, dann haben wir es mit dem melancholischen Temperament zu tun. In dem Augenblick, wo der Astralleib und die Ich-Organisation die Tendenz haben, ihre eigene Struktur stark aufzudrücken dem physischen oder ätherischen Leib, haben wir es mit einem cholerischen Temperament zu tun; und das phlegmatische und sanguinische Temperament liegen dazwischen. Beim phlegmatischen ist es so, daß der Astralleib und die Ich-Organisation nicht so vehement, aber in einem gewissen Sinne die Tendenz haben, die Struktur des physischen und namentlich des Ätherleibes anzunehmen; beim sanguinischen ist es so, daß eigentlich das Vitale, das im Ätherleib liegt, stark beeinflußt wird vom Astralleib. So drückt sich das auch in den Temperamenten aus. Und wir sehen, wie das, was in den radikalen Fällen die Richtschnur ist für den Mediziner - zu erkennen, wie im wachen Menschen ineinandergeschaltet sind Seelisch-Geistiges in Physisch-Ätherisches -, auch für den Pädagogen in den latenten Zuständen die Regel ist, so daß eigentlich Pädagogik und Medizin Dinge sind, die sich ineinander fortsetzen. Es handelt sich darum, daß Sie da möglichst stark suchen, meine lieben Freunde, in der Anschauung des Menschen zur Imagination zu kommen. Nun möchte ich Ihnen gerade noch in bezug auf dieses einige Anhaltspunkte geben.
Cite:
GA 316/1924-04-25/p007 · edition original