Dritter Vortrag
Wenn Sie nun dasjenige nehmen, was wir da auseinandergesetzt haben, dann werden Sie sich von selbst sagen: Was tue ich nun, wenn im kindlichen Lebensalter die Symptome der Epilepsie vorliegen, Bewußtseinsausfälle mit Krämpfen verknüpft oder ihre Ersatzerscheinungen, von denen wir noch sprechen werden? Was kann man tun im einzelnen Fall? - Im einzelnen Fall muß man sozusagen aus dem Instinkte heraus probieren. Man probiert zunächst, ob die Bewußtseinsstörungen sehr verwandt sind, wie es bei manchen Epileptikern durchaus der Fall ist, den Erscheinungen des gewöhnlichen Schwindels. Es treten die Schwindelerscheinungen auf. Man wird sie beim Kinde bemerken in der Anlage. Man wird sich klar sein können, wenn, sagen wir, die Bewußtseinsausfälle nur kurz sind, dafür aber stark bemerkbare Schwindelerscheinungen auftreten, wo es irgendwie fehlt. Es wird hier fehlen: die Ich-Organisation und der astralische Leib kommen nicht in unmittelbare Beziehung zu den Gleichgewichtskräften. Da müssen Sie zunächst erforschen, ob bei irgendeinem Kinde das vorliegt, daß die Ich-Organisation und der astralische Leib nicht in die richtige Beziehung zu den Gleichgewichtskräften kommen. Jetzt lassen Sie es turnen oder eurythmisieren, indem Sie beim Turnen oder Eurythmisieren ihm immer äußere Gegenstände geben, die bekannten Hanteln (siehe Tafel 5, unten) oder dergleichen, lassen es namentlich Gleichgewichtsübungen machen, lassen es diese Gleichgewichtsübungen machen im Lebensalter zwischen Zahnwechsel und Geschlechtsreife. Dann wird das Kind noch die Möglichkeit haben, daß es, wenn Sie ihm zwei gleichschwere Hanteln geben - die müssen aber apothekermäßig ausgewogen sein — und lassen es hanteln und eurythmische Bewegungen oder sonstige Turnbewegungen mit Hanteln machen, dann werden Sie eines getan haben. Jetzt geben Sie in die linke Hand eine Hantel, welcheleichter ist als die in der rechten, lassen es wieder turnen, dann in die rechte Hand eine leichtere Hantel als in die linke, lassen es wieder turnen, dann binden Sie ihm etwas, was schwer ist, es braucht nicht besonders schwer zu sein, an das eine Bein an, lassen es damit gehen, daß es gewahr wird die Kraft, die da am Bein zieht. Wenn es gewöhnlich geht, wird es nicht gewahr die Kraft; es muß sich aber mit der Ich-Organisation hineinversetzen und es wird es gleich gewahr, wenn Sie ihm etwas anhängen. Dann hängen Sie das Gewicht an das andere Bein an, dann veranlassen Sie es, die Sache mehr geistig zu machen, veranlassen Sie es zu spüren, sich hineinzudenken in die Bewegungen, in die Streckbewegung des linken Armes, in die Streckbewegung des rechten Armes, in die Streckbewegung beider Arme; lassen es bewußt wahrnehmen die Schwere, indem Sie es ein Bein aufheben lassen, das andere stehen lassen. Kurz, Sie machen in diesen Fällen, wo Sie durch die Schwindelanfälle merken: in die irdischen Kräfte geht es nicht recht herein, solche Bewegungen, in denen das Kind genötigt ist, die äußere Gleichgewichtslage beherrschen zu lernen. Ebenso wird man es dazu bringen, epileptische und epileptoide Kinder zu behandeln, wenn man sie in die andern Kräfte sich einfügen läßt.
Cite:
GA 317/1924-06-27/p018 · edition original