Curative Education
Was hat man mit diesem Kinde zu tun, wenn es einigermaßen in die Normalität hineingebracht werden will? Es muß jeder Reiz auf das Sinnes-Nervensystem für die meiste Zeit, in der es lebt, vermieden werden. Daher lassen wir das Kind im dunklen Raume sein, in einem Raume, der vollständig verdunkelt ist, so daß das Kind eigentlich immer im Stillen und Finstern liegt, keine Eindrücke empfängt. Ich habe zunächst sogar die Möglichkeit, dadurch zu wirken, etwas überschätzt, weil das Kind noch nicht lichtempfindlich ist. Es ist ganz schwach lichtempfänglich, und dadurch ist die Hintanhaltung von Licht weniger von Bedeutung, als man voraussetzte. Nun bleibt das bestehen, daß man zunächst bei einem solchen Kinde daran denken muß, es im Stillen und Finstern leben zu lassen, möglichst wenig Eindrücke in seine Umgebung zu bringen, dann wird innerlich der Impuls des Zappelns, des Willens erregt und es wird dem Sinnes-Nervensystem entgegengewirkt. Das ist eine erste Maßregel, an die man denken kann. Eine andere ist diese, daß man versucht, auf das SinnesNervensystem zu wirken durch Agenzien, die darauf wirken. Nun, da wurde bei diesem Kinde innerlich Gneis angewendet, um vor allen Dingen nicht Schockwirkungen hervorzurufen, indem man direkt Quarz anwendet, um dasjenige, was in der Quarzwirkung liegt, mehr zu verteilen. Beim Quarz wirken die Kräfte sehr strahlig und spießig, während, wenn sich die Quarzkräfte im Gneis verteilen, wirken sie mild und breiten sich aus im Organismus und kommen leichter an die Peripherie heran. Gneis in einer hohen Potenz wird da zum Ziele führen können. Man muß versuchen, das Aufgeregtsein der Nerven der ganze Mensch ist als Kind Sinnes-Nervensystem — auch in der Willensregion zu beruhigen. Das erreicht man durch Mohnbäder von Wiesenmohn. Es werden Wiesenmohnbäder bereitet. Es muß bei einer solchen Sachlage, wie man sie da hat, fortwährend Hand in Hand gehen die Beobachtung des Falles und die mögliche Therapie. Man hat einen individuellen Fall vor sich. Und sehen Sie, ich will Ihnen das weiter begreiflich machen, indem ich Ihnen nun die weitere Fortsetzung sage, die da eingetreten ist in der Beobachtung. Da haben wir zunächst beobachtet, daß während der Injektionskur die Temperatur niedriger geworden ist. Dann haben wir kurz darauf konstatiert, der Kopfumfang nimmt zu, das Kind schläft am Tage und weint in der Nacht. Das änderte sich, als man ihm die Mohnbäder abends gab. Der Stuhlgang ist hart; da macht es einen Unterschied, ob man die Mohnbäder bei Tag gibt oder bei Nacht. Abends hat der astralische Leib einen ganz andern Zusammenhang mit dem physischen Leib als morgens.
Cite:
GA 317/1924-07-04/p016 · edition original