Erster Vortrag

GA 318/1924-09-08/p013 ·1924-09-08 · original (original)
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Ganz etwas anderes ist es, wenn der Mensch zum Beispiel im Fieber ist, durch irgendwelche Umstände, und Sie therapeutisch eingreifen. Würden Sie mit demselben Mittel, mit welchem Sie im Fieber therapeutisch eingreifen, beim gesunden Menschen eingreifen, so würden Sie seinen Bewußtseinszustand ändern. Sie müssen also arbeiten als Arzt mit demjenigen, was im Grunde genommen zu tun hat mit den Bewußtseinszuständen. Während man sonst beim gewöhnlichen Wechselverkehr des Menschen mit der Umwelt es zu tun hat mit dem Leben, hat man es zu tun in der Medizin mit dem Eingreifen in die Bewußtseinszustände. Sie können das überall bei jeder therapeutischen Maßnahme finden, und es ist das Spezifische einer therapeutischen Maßnahme, daß sie in dasjenige eingreift, was irgendwie mit der Variabilität der Bewußtseinszustände zu tun hat. Es gibt auch kein anderes wirksames Heilmittel als dasjenige, das so tief in die menschliche Wesenheit eingreift, daß es die menschliche Wesenheit ergreift bis in diejenigen Quellen hinein, aus denen die Bewußtseinszustände resultieren. Damit aber stellen Sie sich als Arzt, als Therapeut unmittelbar hinein in die geistige Weltordnung. Denn Veränderung der Bewußtseinszustände bedeutet, daß Sie sich hineinstellen in die geistige Weltordnung. Und Sie ziehen immer, wenn Sie eine real wirksame Heilung haben, Sie ziehen immer gerade durch dieses Herandringen an die Bewußtseinszustände, wenn auch im Unterbewußtsein, das Seelische im therapeutischen Prozeß heran. Sie bleiben nicht im Physischen. Die gewöhnliche Nahrungsmittelaufnahme, das gewöhnliche Atmen, die sonstigen Vorgänge bleiben im Physischen, und mittelbar wirken durch das Physische die höheren Glieder des Menschen. Sie wirken auch und sie wirken durch das Physische; dagegen ziehen Sie das Seelische unmittelbar herein, wenn Sie ärztlich wirken, wenn Sie therapeutisch wirken. So können wir sagen: der Arzt tritt heran, wenn er seinen Beruf richtig versteht, unmittelbar ans Spirituelle. Es ist nur scheinbar, daß uns die therapeutischen Maßnahmen als bloß physische oder biologische Prozesse erscheinen. Sind sie wirklich therapeutische Maßnahmen - sonst sind sie das niemals -, so ziehen sie immer das Seelische heran, wenn das auch zunächst für das gewöhnliche Bewußtsein unbewußt bleibt. Aber man sollte nur einmal, meine lieben Freunde, verfolgen, wenn wirklich durch einen therapeutischen Prozeß, sagen wir, unmittelbar das Fieber herabgesetzt ist, was da im Menschen vorgeht in Wirklichkeit. Da wird bis in das Innerste seines Wesens hineingewirkt, wie umgekehrt der Krankheitsprozeß bis ins Innerste des Wesens hineinwirkt, die Prozesse im Menschen über das bloß Physische und Biologische hinausbringt. Das ist von der einen Seite. Wir sehen, wie ganz im wesentlichen das Arztsein, das Heilen aus dem Physischen ins Spirituelle durch seine eigene Wesenheit hineinführt.

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Cite: GA 318/1924-09-08/p013 · edition original