Erster Vortrag

GA 318/1924-09-08/p017 ·1924-09-08 · original (original)
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Damit haben Sie die beiden polarischen Tätigkeiten: das therapeutische Wirken und das Zelebrieren; beide verhalten sich in der Tat polarisch. Im therapeutischen Wirken wird aus dem Leben heraus in das Bewußtsein hineingearbeitet und das Bewußtsein wird zum Mithelfer, allerdings zu einem im gewöhnlichen Bewußtsein unbewußten Mithelfer beim therapeutischen Prozeß. Beim Zelebrieren wird das Leben zum Mithelfer gemacht desjenigen, was vor dem Bewußtsein sich vollzieht. Beides, meine lieben Freunde, nicht bloß so schematisch, wie es jetzt vor Sie hingestellt ist, sondern tief innerlich geistig erfaßt, bedarf in der Regel des ganzen Menschen, wenn es Beruf wird. Und nur, weil wir innerhalb unserer Zivilisation in der Therapie hinausgekommen sind aus dem Geistigen und in der Theologie hinausgekommen sind aus dem Konkreten, weil wir innerhalb unserer Zivilisation uns in der Therapie verirrt haben in den Materialismus und in der Theologie in die Abstraktion, ist heute das wahre Verhältnis ganz und gar zugedeckt. Aber dieses wahre Verhältnis muß wieder ergründet werden, muß wieder zur Wirksamkeit kommen. Es muß wiederum ersichtlich werden, wie der Arzt schon für die Diagnose braucht den geschulten Blick, der ihm einen biologischen oder sogar physischen Vorgang im menschlichen Organismus im Lichte spiritueller Prozesse — denn alle Prozesse im menschlichen Organismus sind spirituell - erscheinen läßt, so daß der Arzt den geschulten Blick schon bei der Diagnose braucht und noch mehr bei der Therapie für das Aufleuchten des Geistigen im Physischen.

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