{"corpus":"steiner","locus":"GA 318/1924-09-09/p003","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Meine lieben Freunde! Wenn man von den gemeinsamen Angelegenheiten des Priesters und des Arztes spricht, so muß der Blick zunächst auf Erscheinungen kommen im menschlichen Leben, die in der Tat leicht ins Pathologische hinübergleiten, daher des Verständnisses des Arztes bedürfen, die aber auf der anderen Seite wiederum in einer außerordentlichen Weise in das Innere, ich möchte sagen, selbst in das Esoterische des religiösen Lebens hineinspielen. Wir müssen uns ja durchaus klar sein darüber, daß eigentlich alle Zweige der menschlichen Erkenntnis über etwas Grobes wiederum hinauskommen müssen, das in der materialistischen Epoche in sie hineingekommen ist. Wir brauchen uns nur zu erinnern, wie doch jetzt in einer gewissen Grobheit der Auffassung behandelt worden sind diejenigen Erscheinungen, die eine Zeitlang zusammengefaßt wurden unter «Genialität und Wahnsinn», grob behandelt worden sind von Lombroso und seiner Schule, aber auch von anderen. Wir können ebensogut aufmerksam machen nicht so sehr auf die Untersuchungen selbst — die haben ja ihre Verdienste —, aber auf die Anschauungsweise, die dadurch zutage trat, wir können ebenso aufmerksam machen auf dasjenige, was aufgetreten ist als Kriminalanthropologie und die Schädel untersuchte der Verbrecher. Die Gesinnungen, die dabei zutage traten, waren durchaus nicht nur grob, sondern trugen einen gewissen Stempel einer außerordentlich starken Philistrosität. Man kann schon sagen — und hier dürfen wir uns durchaus solcher Kategorien bedienen, denn es handelt sich um ein Grenzgebiet in der Pastoralmedizin —, man kann schon sagen, da taten sich im Grunde als Forscher und Denker die Philister zusammen, bildeten sich den Typus eines Normalmenschen heraus, der möglichst ein Philister war. Und was eben abliegt, das war pathologisch. Da das Genie nach der einen Seite, der Wahnsinn nach der anderen Seite abwich, so war eben beides in irgendeiner Weise pathologisch. Und da es für den Einsichtigen ganz selbstverständlich ist, daß jede pathologische Eigentümlichkeit sich auch körperlich ausdrückt, so ist es ganz selbstverständlich, daß in körperlichen Merkmalen nach der einen oder anderen Richtung hin Zeichen gefunden werden können. Es handelt sich ja darum, diese Zeichen in der richtigen Weise zu durchschauen. Gewiß ist ein Ohrläppchen unter Umständen außerordentlich charakteristisch für eine psychologische Eigentümlichkeit, weil solche psychologische Eigentümlichkeiten doch zusammenhängen mit dem Karma, das aber aus früheren Inkarnationen herüberwirkt.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Zweiter Vortrag","site_heading":null,"date":"1924-09-09","location":null,"word_count":361,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/318/1924-09-09/p003","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/318/1924-09-09/p003"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/318/1924-09-09/p003","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}