Zweiter Vortrag
Stellen wir uns einmal ganz ernstlich, meine lieben Freunde, auf den Standpunkt, den uns Anthroposophie über den Menschen gibt. Der Mensch tritt uns entgegen in seinem physischen Leib, der eine lange Entwickelung hinter sich hat, der als physischer Leib durch drei vorbereitende Stadien, wie ich es beschrieben habe in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» gegangen ist, bevor er der Erdenleib wurde, der zu seinem Verständnis wahrhaftig mehr braucht als dasjenige, was heute in Anatomie und Physiologie ihm entgegengebracht wird. Denn ich möchte auch hier darauf aufmerksam machen, daß ja dieser physische Leib des Menschen, so wie er heute ist, ein getreues Abbild ist des ätherischen Leibes, der in seiner dritten Epoche ist, des astralischen Leibes, der in seiner zweiten Epoche ist, und auch bis zu einem gewissen Grade der Ich-Organisation, die der Mensch erst auf der Erde aufgenommen hat, die also in ihrer ersten Epoche ist. Das alles prägt sich wie Siegelabdrücke in dem physischen Leib des Menschen aus. Das macht den physischen Leib dann außerordentlich kompliziert, so wie er uns heute entgegentritt. Er ist nur seiner rein mineralisch-physischen Beschaffenheit nach mit den Erkenntniskräften durchschaubar, mit denen man heute an ihn herantritt. Dasjenige, was der Ätherleib in ihn einprägt, das ist gar nicht mit diesen Erkenntniskräften durchschaubar. Es muß mit den Augen des plastischen Künstlers gesehen werden. Das muß gesehen werden so, daß man sich erwirbt Anschauungen, Bildgestaltungen, die aus den Kräften des Weltenalls heraus erfaßt werden und die man wiedererkennt in den Formen des ganzen Menschen, wiedererkennt in den Formen der einzelnen Organe.
Cite:
GA 318/1924-09-09/p005 · edition original