{"corpus":"steiner","locus":"GA 318/1924-09-09/p012","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Sehen Sie, es ist jetzt schwer, wenn man einen solchen Menschen vor sich hat, und man kann ihn in irgendeiner Variante in den mannigfaltigsten Lagen des Lebens vor sich haben, man kann ihn als Arzt vor sich haben, man kann ihn als Priester vor sich haben, sogar als ganze Kirche ihn vor sich haben. Er tritt einem in irgendeiner Form, meinetwegen in einem Dorfe entgegen. Der Arzt sagt heute, namentlich wenn er ihn in irgendeinem Frühstadium des Lebens findet: Psychopathologische Minderwertigkeit. - Der Priester, namentlich wenn er ein gutgeschulter, sagen wir ein gutgeschulter Benediktiner ist — die Weltpriester in der katholischen Kirche sind zuweilen nicht so gut geschult —, aber wenn er ein gutgeschulter Benediktiner, Jesuit oder Barnabit oder dergleichen ist, dann weiß er auf esoterische Art, daß man aus den Dingen, die da erzählt werden von einem solchen Menschen — für den modernen Arzt ist es eine psychopathologische Minderwertigkeit -—, daß man aus diesen Dingen, die da erzählt werden, wenn man sie richtig interpretiert - trotzdem man einen Menschen vor sich hat, der hart an der Grenze steht zwischen Gesundheit und Krankheit, dessen Nervensystem zum Beispiel durchaus in pathologischem Sinne aufgefaßt werden kann -, wenn man einen solchen Menschen mit durchaus labilem Gleichgewicht in den zutage tretenden Seelenkräften vor sich hat, die ganz anders wirken als beim sogenannt normalen Menschen, dann weiß man, daß einem doch aus diesen Dingen, wenn man sie richtig interpretiert, echte Offenbarungen aus der geistigen Welt entgegenkommen können, wie schließlich von dem Wahnsinnigen selber - nur ist der Wahnsinnige nicht berufen dazu, sie zu interpretieren, sondern nur derjenige, der die ganze Sache durchschaut. Man kann ihn also als Arzt vor sich haben, und wir werden sehen, wie wir ihn in einem anthroposophischen Sinne ärztlich anzuschauen haben. Man kann ihn als Priester vor sich haben, man kann ihn auch als Kirche vor sich haben.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Zweiter Vortrag","site_heading":null,"date":"1924-09-09","location":null,"word_count":308,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/318/1924-09-09/p012","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/318/1924-09-09/p012"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/318/1924-09-09/p012","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}