Zweiter Vortrag
Aber es kann noch weitergehen. Es kann jetzt dazu kommen, daß der physische Leib verhältnismäßig vereinsamt bleibt, daß der Ätherleib dauernd oder zeitweise nicht ganz hineingeht in den physischen Leib, daß dann der astralische Leib, der Ätherleib und die Ich-Organisation nahe miteinander verbunden sind und die physische Organisation draußen ist (Tafel 3). Man wird, wenn man sich heutiger materialistischer Ausdrücke bedient — aber wir werden aus diesen herauswachsen im Laufe der Stunde -, einen solchen Menschen in den häufigsten Fällen empfinden als einen hochgradig schwachsinnigen Menschen, der nach keiner Richtung hin, auch nicht nach der Willensrichtung vom Geistig-Seelischen aus, seine physischen Glieder beherrschen kann. Solch ein Mensch zieht gewissermaßen die physische Organisation nach. Ist von vornherein der Mensch so organisiert, dann empfindet man ihn auch wirklich als schwachsinnig, weil der Mensch im gegenwärtigen Stadium der Erdentwickelung, wenn das alles, die Ich-Organisation, die astralische Organisation und der Ätherleib, so isoliert ist, und einsam der physische Leib nachgeschleppt wird, dann nicht wahrnehmen kann, nicht tätig sein kann, sich nicht erleuchten kann an Ich-Organisation, astralischem Leib und Ätherleib; so bleibt das dunkel, was er erlebt, und er geht wie betäubt in seinem physischen Leib herum. Es ist in hohem Grade Schwachsinn vorhanden, und man muß nachdenken, in diesem Stadium, wie man in die physische Organisation die anderen Leiber hineinbringen kann. Da kann es sich um pädagogische Maßregeln, aber auch durchaus um äußerlich therapeutische Maßnahmen handeln. Der Priester aber kann in den Fall kommen, daß er ganz überrascht sein kann von dem, was ihm gerade ein solcher Mensch beichtet. Der Priester kann sich sehr gescheit fühlen, aber durchgebildete Priester — es gibt solche wirklich im Katholizismus; man muß den Katholizismus nicht kleinlich beurteilen -, die passen schon auf, wenn ein solcher sogenannter Kranker zu ihnen kommt und zu ihnen sagt: Was du von der Kanzel verkündest, es will doch nicht viel besagen. Das alles macht nichts aus, das reicht eigentlich nicht bis zur Wohnung Gottes, das hat alles nur äußerlichen Wert. In Gott muß man wirklich mit seinem ganzen Menschen ruhen. — Das sagen solche Leute. In allem übrigen Leben benehmen sie sich so, daß man sie für hochgradig schwachsinnig halten kann, in der Unterredung mit den Priestern kommen sie zuweilen mit solchen Dingen. Sie prätendieren, das innere religiöse Leben intimer zu kennen als die, die berufsmäßig davon reden. Sie haben eine Verachtung für den, der berufsmäßig davon redet und sie nennen das, was sie erleben, die «Ruhe in Gott». Und sehen Sie, wieder muß es sich für den Priester darum handeln, Mittel und Wege zu finden, anzuknüpfen an dasjenige, was eigentlich ein solcher, man kann sagen Patient, man kann aber auch anders sagen, was ein solcher Mensch innerlich erlebt.
Cite:
GA 318/1924-09-09/p016 · edition original