Zweiter Vortrag
Aber die Sache kann viel weitergehen. Denken wir uns nun einmal folgendes: ein Mensch macht diesen ganzen Entwickelungsgang in verschiedenen Lebensaltern durch. In einem bestimmten Lebensalter ist er in diesem Zustand (Tafel 2, Mitte),wo die Ich-Organisation sich nur losgelöst hat von den anderen. In einem weiteren Lebensalter rückt er zu diesem Zustand vor (Tafel 2, rechts), in einem weiteren zu diesem (Tafel 3). Er macht so etwas nur durch, wenn schon der erste Zustand, der noch der normale ist, vielleicht während der Kindheit schon Anlagen zeigt, in ein labiles statt in ein stabiles Gleichgewicht der Glieder hineinzukommen. Wenn der Arzt nun über einen solchen Menschen kommt, der dazu berufen ist, diese ganzen vier Stadien durchzumachen - das erste hier etwas abnorm, die anderen aber in dem Sinne, wie ich sie schematisch aufgezeichnet habe -, wenn der Arzt über einen solchen Menschen kommt, wird er finden: da ist ein außerordentlich labiles Gleichgewicht vorhanden, da muß man etwas befestigen. Es läßt sich in der Regel nichts befestigen. Manchmal ist der Weg in einer außerordentlich intensiven Weise vorgezeichnet; es läßt sich nichts befestigen. Vielleicht, wenn der Arzt dann später wieder an denselben Menschen herankommt, findet er, daß sich der erste labile Zustand verwandelt hat in den anderen, wie ich ihn beschrieben habe mit dem Nebuloswerden der Sinnesempfindungen, den stark kolorierten Gedanken. Später findet er ein außerordentlich starkes Sündenbewußtsein wieder, wovon der Arzt natürlich, weil jetzt die Sache beginnt, stark ins Seelische hinüberzuspielen, nicht gerne Notiz nimmt. Jetzt geht dann in der Regel das Leben einer solchen Persönlichkeit erst recht an den Priester über, und namentlich, wenn es zum vierten Stadium kommt.
Cite:
GA 318/1924-09-09/p018 · edition original