Vierter Vortrag

GA 318/1924-09-11/p005 ·1924-09-11 · original (original)
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Der Mensch hat zunächst seinen physischen Organismus. Die auffälligste Erscheinung an diesem physischen Organismus ist die, daß er innerhalb desselben zunächst in dem ersten Abschnitt seines Lebens bis zum Zahnwechsel die ersten Zähne hat, die mit dem Zahnwechsel ausgewechselt werden. Nun ist die Auswechselung der Zähne ja nur, ich möchte sagen, das Extremste, was da am Menschen ausgewechselt wird. Denn in Wahrheit trägt der Mensch materiell dasjenige, was er als physischen Leib mit der Kindheit empfängt, mit der Geburt empfangen hat, nur bis zum Zahnwechsel mit sich. Wir streifen fortwährend aus unserer Form heraus die physische Materie ab. Der Vorgang ist allerdings komplizierter, als daß man ihn einfach, wenn man exakt sein will, so vorstellen könnte, daß man sagt: Der Mensch stößt im Laufe von sieben bis acht Jahren seine sämtliche physische Materie ab und erneuert sie. — Es ist etwas daran durchaus stimmend, aber man braucht nur auf den Zahnwechsel selbst hinzuschauen, dann wird man schon finden, daß man sich das etwas modifiziert vorzustellen hat. Denn wäre in dieser Abstraktheit die Sache richtig, müßten wir immer nach sieben Jahren frische Zähne bekommen. Das ist aber nicht der Fall. Wir bekommen sie nur einmal. Nun sind aber die Zähne gerade zu demjenigen gehörig, was nach einmaliger Auswechselung eben nicht eine Erneuerung erfährt. Sie sind im extremsten Sinne dazugehörig. Aber es ist ja der Lauf der Entwickelung des Menschen auf Erden überhaupt so, daß er sozusagen immer mehr und mehr, je älter er wird, von der alten physischen Materie etwas in sich behält. Eine Auswechselung in sieben- bis achtjährigen Zeiträumen der weitaus meisten Teile der physischen Materie findet schon statt, aber wir müssen unterscheiden am Menschen zwischen etwas, was immerhin zurückbleibt; mit dem siebenten Jahre sind es nur die Zähne, die sich dann ansetzen und dann bleiben, aber nach weiteren rhythmischen WiederhÖlungen solcher Übergangszeiten bleiben auch immer in der menschlichen Wesenheit Teile des Materiellen stehen, die nicht ausgewechselt werden, obwohl der größte Teil des Menschen im Verlauf von sieben bis acht Jahren seine Materie durchaus auswechselt. So daß also gesagt werden muß radikal für die sieben ersten Lebensjahre ungefähr, daß der Mensch die gesamte Materie, die er hat, wenn er geboren wird, abstreift, nichts von ihr zurückbehält, sondern nur die in ihnen wirkenden und wesenden Kräfte zurückbehält, die sich die ganz neu akquirierte Materie für die ersten sieben Lebensjahre so aneignen, daß der Mensch die Erneuerung seines physischen Leibes bis zu den Zähnen eben hat mit dem Zahnwechsel. Damit aber, meine lieben Freunde, wird auch verständlich, daß das eigentliche Vererbungsprinzip, so wie es die heutige Naturwissenschaft vorstellt, nur für die ersten sieben Lebensjahre gilt. Nur in diesen ersten sieben Lebensjahren ist die Sache so, daß der Mensch die Eigenschaften, die er in sich trägt, vererbt bekommt von Eltern und Voreltern. Es bildet der physische Leib für diese ersten sieben Lebensjahre gewissermaßen eine Art Modell, nach dem der im Menschen arbeitende Künstler, der da besteht nun in diesen Jahren aus Ätherleib, Astralleib und Ich, einen neuen physischen Leib ausarbeitet. Das sehen wir ja gerade, wie miteinander arbeiten, ich möchte sagen, in künstlerisch arbeitende Wechselwirkung treten dasjenige, was der Mensch sich hereinbringt aus geistigen Welten: seine Individualität, seine Wesenheit und das, was er vererbt bekommt. Ist der Mensch eine starke Natur in bezug auf seine innere Individualität, bringt er sich eine innerlich intensive, starke Astralität und Ich-Wesenheit mit, die wiederum den ätherischen Leib stark machen, dann werden wir einen Menschen aufsprießen sehen, der aus seinem Inneren heraus sich wenig an das Modell hält, sondern nur in den allgemeinen Formen sich an das Modell hält. Für denjenigen, der für wirkliche Gestaltungen einen Sinn hat, für den wird dann schon hervortreten, daß ja natürlich, weil das allgemein menschliche Modell eingehalten werden muß, weil schon eine Affinität zu der Menschenform vorhanden ist, die man vererbt bekommt — Züge davon bleiben über den Zahnwechsel hinaus —, aber für eine feinere Beobachtung ist es durchaus anschaulich, wie bei innerlich starken Individualitäten nach dem Zahnwechsel wesentliche Veränderungen eintreten, die davon herrühren, daß sich die starke Individualität nur wenig an das Modell, das ihr durch die Vererbung überliefert wird, hält.

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