{"corpus":"steiner","locus":"GA 318/1924-09-11/p006","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wenn wir nachforschen bei einer solchen Individualität wie die hier öfter genannte heilige Theresia, so würde man wegen der schon gestern erwähnten starken Individualität gerade bei solchen Naturen finden, wie sie in den ersten sieben Lebensjahren zwar sehr gleichen ihren Eltern, wie sie aber im neunten und zehnten Lebensjahre Formen annehmen, die einen überraschen, weil da sich erst die eigentliche Individualität herausarbeitet. So daß Vererbung nur gilt für den ersten Lebensabschnitt im strengen Sinne des Wortes, und was später als Vererbung erscheint, ist nicht Vererbung in Wirklichkeit, das muß erkannt werden, das ist Arbeit nach dem Modell, das vererbt ist. Mehr oder weniger wird die Arbeit, die entsteht, dem Modell gleichen. Aber es ist nicht Vererbung, es ist den vererbten Merkmalen nachgebildet. Der bloße Naturwissenschafter, der findet, daß das weitergeht mit dem gewöhnlichen Vererbungsprinzip. Derjenige, der in die Wesenheit des Menschen hineinschaut, weiß, daß ein qualitativ ganz Verschiedenes auftritt für die Ähnlichkeit mit den Eltern nach dem Zahnwechsel als vor dem Zahnwechsel. Vor dem Zahnwechsel sind es wirklich die Kräfte der Vererbung. Nach dem Zahnwechsel sind es die Kräfte, die nach dem Modell arbeiten. Für eine exakte Anschauung darf man ebensowenig sagen, daß der Mensch dasjenige, was er zwischen sieben und vierzehn Jahren, also zwischen Zahnwechsel und Geschlechtsreife, an sich trägt, vererbt hat, wie man von jemandem, der in der Galerie sitzt und die Sixtinische Madonna porträtiert, wie man von dem sagen darf, seine Porträtmalerei hat durch Vererbung von der in der Galerie hängenden Madonna die Eigenschaft erhalten. So ist es schon, daß es fast geglaubt wird.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Vierter Vortrag","site_heading":null,"date":"1924-09-11","location":null,"word_count":257,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/318/1924-09-11/p006","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/318/1924-09-11/p006"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/318/1924-09-11/p006","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}