{"corpus":"steiner","locus":"GA 318/1924-09-11/p008","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Der Mensch lebt, sagen wir, zwischen dem Tod und einer neuen Geburt beziehungsweise einer neuen Konzeption in der geistigen Welt (Tafel 5, oben). In dieser geistigen Welt ist er umgeben von ganz anderen Realitäten, als sie hier in der physischen Welt zu finden sind. Es ist eine ganz andere Welt. Er tritt aus dieser Welt, deren Gesetzmäßigkeit wir andeuten möchten durch diese Linie (weiß), er tritt aus dieser Welt herein in die physische Welt (gelb), setzt sein Leben in der physischen Welt mit einem physischen Körper, den er empfängt, fort; aber in dieser physischen Welt wirken, allerdings verborgen durch das menschliche Sinnesanschauen, weiter dieselben Kräfte, die hier (rot) sind. Wenn Sie einen Baum anschauen, meine lieben Freunde, so wirken darin dieselben geistigen Kräfte, denen Sie gegenüberstehen zwischen Tod und neuer Geburt, nur sind sie verdeckt, verhüllt durch die physische Materie des Baumes. Überall in der physischen Welt, in der wir sind zwischen Geburt und Tod, wirken die geistigen Kräfte auch im Hintergrund der sinnlich-physischen Entitäten. So daß wir die Wirksamkeit der geistigen Welt uns hinein fortgesetzt denken in die Welt, die wir durchleben zwischen Geburt und Tod. Nun ist es in den ersten sieben Lebensjahren so, daß das Kind nichts anderes in Wahrheit mit seiner vollen Wesenheit vereinigen kann als dieses Geistige, in allen Farben, in allen Formen, in aller Wärme, in aller Kälte. Das Kind nimmt eine Fortsetzung der geistigen Wirksamkeiten völlig wahr, wenn es hereintritt in die physische Welt, dann in immer schwächeren Graden bis zum Zahnwechsel. Eine Sinnesempfindung — man beachtet das nicht - ist etwas ganz anderes für ein Kind als für einen Erwachsenen. Eine Sinnesempfindung ist für ein Kind etwas ganz Geistiges. Daher ist es auch, wenn das Kind - wie ich es in der Pädagogik sage - einen jähzornigen Vater neben sich hat, daß es nicht mit Bewußtsein in die jähzornige Geste sieht, sondern das Moralische drinnen in der Geste, das geht in seinen Leib über. So daß das Kind in der Zeit, in der es mit den Kräften arbeitet, um sich seinen physischen Leib, der jetzt sein eigener ist, nach dem Modell zu erarbeiten, daß es in dieser Zeit im Grunde genommen ganz orientiert ist hin auf die geistigen Untergründe, arbeitet aus der Geistigkeit heraus. Was heißt das aber? Was wirkt denn da, wenn die Geistigkeit wirkt, in Wirklichkeit? Scheinbar wirken Farben, Formen, Wärme, Kälte, Rauhigkeit und Glätte in den Sinnesempfindungen. Aber was wirkt denn in Wahrheit? In Wahrheit wirkt nur alles dasjenige, was in irgendeiner Art mit einer Ich-Natur etwas zu tun hat. Auf das Kind machen nur einen Eindruck verborgene geistige Wesenheiten, die mit einer Ich-Natur etwas zu tun haben, also vor allen Dingen geistige Wesenheiten der höheren Hierarchien vom Menschen aufwärts, aber auch die Gruppenseelen der Tiere, die Gruppenseelen der Elementarwesen. Das alles wirkt in Wahrheit auf das Kind, und aus diesen geistigen Kräften, aus dieser großartigen geistigen Dynamik heraus formt es sich aus dem Modell seinen zweiten Leib, der nach und nach heranwächst, und der in dem Ausmaß, als der Zahnwechsel sich vollzieht, als zweiter Leib da ist. Das ist erst der Leib, den sich der Mensch nach der Geburt als seinen eigenen ersten Leib aufbaut, und der herausgebaut ist als physischer Leib aus der geistigen Welt.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Vierter Vortrag","site_heading":null,"date":"1924-09-11","location":null,"word_count":538,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/318/1924-09-11/p008","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/318/1924-09-11/p008"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/318/1924-09-11/p008","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}