Fünfter Vortrag
Die anderen, bei denen der Astralleib das Ich hereinzieht, bei denen bleibt es auch noch interessant, wenn man sich von ihnen erzählen läßt, nur braucht man, um die ersteren zu verstehen, richtig die Seelenvertiefung mehr des Priesters. Um die zweiten zu verstehen, die oftmals nicht minder interessant sind, oftmals sogar noch interessanter als die gewöhnlichen Visionäre, die nicht so weit kommen, um die zweiten zu verstehen, gehört eigentlich die innere Gefühlssphäre des die Welt mit gutem Verstand, leidlicher Intuition auffassenden Arztes. Denn da handelt es sich darum, zu verstehen, was sie einem nicht erzählen, denn was sie einem erzählen, das hat nicht viel Wert. Es handelt sich darum, dasjenige, was sie sagen und tun, so aufzufassen, daß man es in die richtige Perspektive gegenüber der menschlichen Organisation bringen kann. Solche Persönlichkeiten zeigen, wenn man sie um etwas fragt, schon einen gewissen Grad von Stumpfheit, auch Unwillen, einem zu antworten. Sie fangen dann von etwas anderem zu reden an als von dem, was in der Frage liegt. Aber wenn man abfängt dasjenige, was sie von sich selbst aus sagen — es gibt auch unter ihnen solche, die fortwährend schwätzen möchten -, wenn man abfängt dasjenige, was sie von sich selbst sagen, hat man zuweilen das Gefühl, da ist ein innerer Quell für das Sprechen, der ihnen auch eine besondere Art der Ideenassoziation gibt, wie das bei gewöhnlichen Menschen nicht der Fall ist. Solche Menschen erzählen einem, wenn man sie gehen läßt man muß sie nicht fragen, sondern man muß aufschnappen, was sie wie zufällig erzählen -, solche Menschen erzählen einem: Ja, vor zehn Jahren, da war ich einmal bei einem Bauer. Die Bäuerin hat mir Kaffee gegeben. Die Bäuerin hat mir Kaffee gegeben in einer Tasse, wo außen rote Rosen gemalt waren. Die Bäuerin hat mir nicht gleich den Kaffee geben können, denn sie hat in der Küche den Zucker vergessen gehabt und mußte ihn erst holen. Dann hatte sie die Milch vergessen. Die mußte sie erst vom Keller heraufholen, und dann hat sie so etwas wie ein Achtelliter Milch in den Kaffee hineingegossen und dann hat sie gesagt: Mein Kaffee ist ein sehr guter; und da hab ich gesagt: Ja das glaube ich schon, Bäuerin. - Und so fährt er fort; er erzählt Einzelheiten, die sich auf lang Vergangenes beziehen und in die unglaublichsten Details eingehen. Man kommt dann zu der Idee: Ach hätte ich doch nur auch ein so gutes Gedächtnis wie der. - Man vergißt ganz, daß wenn man ein solches Gedächtnis wie der hätte, dann wäre man so wie der. Ja nun, ich erzähle die Dinge etwas typisch und typisch auch herausgearbeitet. Sie müssen dann die entsprechenden leichteren Varianten, die im Leben einem dann begegnen, insbesondere dem Arzt begegnen, Sie müssen sich danach orientieren. Ich erzähle es als Extrem auffällig, damit Sie sehen, worauf es ankommt.
Cite:
GA 318/1924-09-12/p007 · edition original