Fünfter Vortrag
Nehmen Sie an, man wird nach der anderen Seite, nach der Seite der Sinne hin, also nach der Seite der Ich-Organisation hin versensitiviert; da ist man furchtbar empfindlich gegen all das, was durch die Sinne einfließt, gegen lebhafte Farben, lebhafte Töne. Aber gerade das Entgegengesetzte tritt bei solchen Menschen ein, deren physischer Leib infolge karmischer Verhältnisse schwach ist. Die werden von innen heraus nun nicht hyperempfindlich, sondern für ihren physischen Leib unempfindlich, dafür aber nehmen sie mit Riesenstärke auf alles dasjenige von der anderen Seite, von der Willensseite her, was in der physischen Welt außerhalb ist. Sie verfallen der Schwere, der Wärme und Kälte. Das alles wirkt so, wie gar nicht auf organische Wesen, sondern wie auf unorganische Wesen, das unterdrückt dann die Äußerungen von astralischem Leib und Ich-Organisation. Sie sind von der Welt hingenommen, sie stellen sich durch den schwachen physischen Leib nicht mit entsprechender Intensität der Außenwelt gegenüber, sie sind wie ein Glied der Außenwelt, aber innerhalb des Physischen. Es ist das deutliche Gegenbild dessen, was wir als das dritte Stadium beim Heiligen beschrieben haben. Der Heilige geht durch den Schmerz, der sich in ihm in Lust verwandelt, über dazu, daß er die geistige Welt in ihrer reinen Geistigkeit erlebt. Er nennt das «die Ruhe in Gott» oder «die Ruhe im Geist». Derjenige, der sich so entwickelt, wie ich das beschrieben habe, der ruht in den verborgenen okkulten Kräften der physischen Welt, die ihm aber nicht zum Bewußtsein kommen, er kommt nicht zu der Ruhe in Gott, nicht zur Ruhe im Geist, er kommt zur Ruhe in den okkulten Kräften der Welt, denen er sich gerade als Mensch in Selbständigkeit gegenüberstellen soll. Er entwickelt das Spiegelbild des dritten Zustandes des Heiligen, das pathologische Spiegelbild, und das ist der Zustand des Blödsinns, in dem das Menschliche ausgelöscht ist, in dem der Mensch ruht in der äußeren Natur, das heißt in den verborgenen Kräften, aber nicht mehr sich menschlich äußern kann, sondern nur in dem, was im Menschen naturgemäß vollzogen wird, was im Menschen die Fortsetzung darstellt der äußeren Naturprozesse, der vegetabilischen Prozesse: Sich-Ernähren, die Nahrungsmittel verarbeiten, und das Sich-Bewegen in der Richtung, wie die Nahrungsmittel in ihrer inneren Verarbeitung Impulse geben, das vollständig wachende Schlafen, hingegeben an die Funktion der Körpergestalt, die aber nicht überwunden werden vom schwachen physischen Leib, sondern ähnlich bleiben den Vorgängen der Außenwelt, die, weil sie im Menschen wirken, menschenähnliche Impulse geben dem Menschen, der herausgestellt ist aus der Welt, weil er zu stark in die physische Welt hineingestellt ist.
Cite:
GA 318/1924-09-12/p015 · edition original