Fünfter Vortrag
Wir haben, meine lieben Freunde, gesehen, daß manches in die Pädagogik der früheren Jahrzehnte eingezogen ist, was wir vom Standpunkte einer gesunden Pädagogik, wie sie die Waldorfschul-Pädagogik sein will, gerade bekämpfen, Dinge, die den Menschen außerordentlich lieb geworden sind. Auf das muß manchmal mit grausamer Härte in unserer Waldorfschul-Pädagogik hingewiesen werden, zum Beispiel wie diese, ich habe darauf hingewiesen, nicht dem Leben, sondern dem Intellekt entnommenen Fröbel-Arbeiten, die in den Kindergärten vor dem Zahnwechsel getrieben werden, die nicht Nachahmung des Lebens, sondern ausgedachte Dinge sind, wie diese getrieben werden. Da ist es dann, daß in das kindliche Lebensalter zwischen Geburt und Zahnwechsel hineingenommen wird dasjenige, was erst da sein sollte im zweiten Lebensalter zwischen Zahnwechsel und Geschlechtsreife. Es wird geradezu herangezogen dasjenige, was sich in den ersten Stadien des Pathologischen, wie ich es heute geschildert habe, dargestellt hat. Dann wird herangezogen ein Krankheitszustand schwacher Art, den man oftmals noch nicht als pathologisch anspricht, der auch besser nicht als pathologisch bezeichnet wird, damit man nicht alles pathologisch findet, der aber als Kulturerscheinung durchdrungen werden und verstanden werden muß. Nicht einfach kritisiert werden soll, aber verstanden werden soll, damit man in der rechten Weise sich zu ihm verhält.
Cite:
GA 318/1924-09-12/p022 · edition original