Achter Vortrag
Bedenken Sie nur, meine lieben Freunde, wie mannigfaltig die im Weltenall verankerten Kräfte dem Menschen eigentlich entgegenkommen. Wir sehen, sagen wir, eine Pflanze aus dem Boden der Erde herauswachsen. Wir verfolgen das Herauswachsen der Pflanze aus dem Erdboden in der Richtung: Stengel nach oben und Wurzelbildung nach unten. Wir haben damit zwei Tendenzen innerhalb der Pflanze gegeben. Das Streben nach oben, das Streben nach unten. Und wenn wir heute schon in der physischen Erforschung der Natur wirklich so weit wären, daß wir die manchmal für weniger Wesentliches angewendeten Untersuchungsmethoden auf so etwas anwenden würden, wie das Stengelwachstum der Pflanze nach oben, das Wurzelwachstum der Pflanze nach unten, würden wir die Zusammenhänge finden im Weltenall, die wiederum, indem sie in Verhältnis treten zum Menschen, eigentlich erst diese Totalität: Mensch und Welt, Makrokosmos und Mikrokosmos begreiflich machen. Denn wir würden sehen, daß alles, was mit dem Stengelwachstum nach oben zusammenhängt, daß das in einer gewissen Beziehung steht zur Entfaltung der Sonnenkräfte während des Jahres, während des Tages und sogar über das Jahr hinaus. Daß alles, was mit der Entfaltung der Wurzelkräfte zusammenhängt, in Beziehung steht zu der Mondenentwickelung, zu den Mondenkräften, so daß wir, wenn wir eine Pflanze in der richtigen Weise ansehen, schon in die Bildung der Pflanze hineinbekommen müssen die Beziehung zwischen Sonne und Mond. Wir müssen sozusagen herausschauen aus dem Weltenall und seinen Kräften das einfachste, primitivste Bild der Pflanze. Derjenige, der schauen kann, wird die Wurzel nie anders sehen, als indem sie im Hinunterstreben nach der Erde in den Erdboden hinein zu gleicher Zeit sich rundet. Die sich in den Erdboden hinein rundende Wurzel, das ist das Bild, in dem man die Wurzel sehen muß: das in den Erdboden hinein sich rundende Bild (Tafel 9, links).
Cite:
GA 318/1924-09-15/p004 · edition original