Zehnter Vortrag
Man kann ja tatsächlich in Bewunderung versinken, wenn man diesen nach 25920 Jahren ungefähr geordneten Rhythmus auf sich wirken läßt. Es ergibt ja das wirklich bewundernde Versenken dasjenige, was zwischen Weltall und Mensch sich abspielt. Und wenn man sich da ganz hineinversenkt, dann erscheint einem einschließlich des Menschen die ganze Welt nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet. Alles ist, möchte ich sagen, wunderbar geordnet, nur ist es trotzdem Menschenberechnung. Deshalb aber müssen wir an den entscheidenden Stellen, wenn wir sie etwas auseinandersetzen — trotzdem es gilt, trotzdem es drinnen ist —, müssen wir immer an die entscheidenden Stellen das merkwürdige Wort approximativ einfügen. Es geht immer nicht ganz auf. Es ist darinnen die Rationalität, sie ist darinnen, sie ist da, sie lebt, sie wirkt: es lebt alles das, was ich beschrieben habe. Nun stellt sich etwas hinein, etwas ganz Irrationales im Weltenall, was macht, daß, wenn wir uns noch so sehr vertiefen, bewundernd darin aufgehen - sogar als Initiat meinetwegen -, wenn wir irgendeinen Weg machen durch ein paar Stunden, wir doch einen Regenschirm mitnehmen, auch als Initiaten. Wir nehmen einen Regenschirm, weil nun etwas eintritt, was den Irrationalismus hat, wo dasjenige sich offenbart in der Realität, was in den Zahlen doch immer nicht aufgeht, daß man Schaltjahre, Schaltmonate, alles mögliche braucht. Man hat ja zur Zeitbestimmung das immer gebraucht. Dasjenige, was die ausgebildete Astronomie, die in Astrologie und Astrosophie hinein vertiefte Astronomie — denn man kann sich das so ausgebildet denken -, was die bietet, das wird alles wieder zerstört für das unmittelbare Leben durch die Meteorologie, die es nicht zum Rang einer rationalen Wissenschaft bringt, die vom Schauen schon etwas durchdrungen wird, von weiterem Schauen immer mehr durchdrungen wird, die aber einen ganz anderen Weg nimmt, die in dem darinnen lebt, was übrigbleibt von den anderen. Und gerade wenn wir die heutige Astronomie nehmen, die lebt ja wirklich in Namen, die ist wirklich eine Sternnamensgebung, sonst weiter nichts. Deshalb hat ja auch «Serenissimi» Verständnis aufgehört beim Namengeben der Sterne. Er besuchte die Sternwarte seines Landes, ließ sich verschiedenes zeigen, ferne Sterne durch die Teleskope, und dann sagte er, nachdem er das gesehen hatte: Das alles begreife ich. Aber wie Sie wissen, was dieser Stern, der da so weit draußen ist, was der für einen Namen hat, das begreife ich nicht. — Sehen Sie, es gibt ja den Standpunkt selbstverständlich, den Sie in diesem Augenblicke einnehmen, daß Sie über Serenissimus lachen. Es gibt auch einen anderen Standpunkt, daß man so auch über den Astronomen lacht. Ich möchte über den Astronomen mehr lachen, denn im Weltengange steht etwas sehr Merkwürdiges darinnen.
Cite:
GA 318/1924-09-17/p031 · edition original