{"corpus":"steiner","locus":"GA 319/1923-09-02/p011","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Ich führe dieses nur einleitungsweise aus dem Grunde an, damit gezeigt werden kann, wie wir durchaus nicht etwa so, wie das in laienhafter Weise geschieht, in unwissenschaftlicher Art vorgehen wollen. Die geisteswissenschaftlichen Einsichten werden in der Tat durch ein geistiges Schauen gewonnen, über das ich Ihnen nicht näher zu sprechen haben werde; das geschieht bei den Auseinandersetzungen, die ich eben an anderen Orten gebe. Die großen Richtlinien werden in der Tat durch geistiges Schauen gewonnen, und durch dieses geistige Schauen glaube ich, daß es mir gelungen ist, die Möglichkeit herbeizuführen, auch wirklich exakt den Zusammenhang der inneren Menschenorganisation mit der Konstitution nicht nur der Natursubstanzen, sondern vor allen Dingen der Naturprozesse in exakter Weise formulieren zu können, so daß die tiefe Kluft, die ja heute — das müssen wir uns doch offen gestehen - wirklich besteht zwischen Pathologie und Therapie, durch diese Methode überbrückt werden kann. So daß man tatsächlich in der Zukunft eine Pathologie wird haben können, die von selber in die Therapie übergeht, weil durch das Anschauen sowohl des gesunden Organismus wie namentlich des kranken ÖOrganismus, man genau wird entdecken können, wie - ich werde heute in einigen Beispielen das erläutern — nicht nur von außer dem menschlichen Organismus entstandenen Substanzen, sondern von außer dem menschlichen Organismus vollzogenen Prozessen, sei es von der Natur, sei es im Laboratorium vollzogenen Prozessen, innerhalb des menschlichen Organismus heilend gewirkt werden kann. Und auf das Therapeutische kommt es uns ja dabei vor allen Dingen an. Wir wissen sehr gut, daß die Pathologie heute eigentlich weiter fortgeschritten ist, als sie selber weiß. Pathologie ist heute etwas, was man in jedem ihrer Punkte aufgreifen und um ein Stück weiterführen kann. Während in der Tat eine tiefe Kluft besteht zwischen der Einsicht, die in bezug auf die Struktur, auf die Histologie von Organen besteht, und demjenigen, wie nun das eigentliche Heilmittel in dem menschlichen Organismus weiterwirkt. Man durchschaut heute nicht einmal den gewöhnlichen Ernährungsprozeß vollständig, der, wie ich glaube, viel weiser aus Instinkt eingerichtet ist, als man ihn je einrichten könnte durch eine wissenschaftliche Theorie, geschweige denn, daß man durchschaute in exakter Weise die Beziehungen, die bestehen zwischen den Substanzen sowohl wie zwischen dem Funktionieren dieser Substanzen innerhalb des menschlichen Organismus, und draußen sowohl in der Natur wie eben auch in denjenigen Prozessen, die im Laboratorium vollzogen werden können.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Zweiter Vortrag","site_heading":null,"date":"1923-09-02","location":null,"word_count":384,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/319/1923-09-02/p011","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/319/1923-09-02/p011"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/319/1923-09-02/p011","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}