Zweiter Vortrag

GA 319/1923-09-02/p023 ·1923-09-02 · original (original)
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Zunächst muß man sich darüber klar sein, daß in der Kindheit des Menschen, namentlich in der ersten Kindheit des Menschen, die ganze Gliederung in die drei eben genannten Systeme eine andere ist als im späteren Lebensalter. Bei der Kindheit haben wir es zu tun mit einer Menschenorganisation, bei der die Nerven-Sinnesorgane in viel intensiverer Weise in die beiden anderen Systeme hineingreifen als im späteren Lebensalter beim Menschen. Das Kind ist schon in gewissem Sinne ganz Sinnesorgan. Alle Prozesse spielen sich so ab, daß durch den ganzen Organismus hindurch Vorgänge, wenn auch in intimer, feiner Weise geschehen, wie sie sich sonst an der Peripherie des Menschen in den Sinnesorganen vollziehen. Das Kind ist durchaus eigentlich Sinnesorgan in intimerer, feinerer Weise. Dadurch ist der ganze Organismus des Kindes in ähnlicher Weise, wie eben Sinnesorgane sind, mehr der Außenwelt ausgesetzt als der Organismus des Menschen im späteren Lebensalter. Denn es ist ja so, daß alles das, was mit der Nerven-Sinnesorganisation zusammenhängt, unmittelbar der Außenwelt exponiert ist, dem Einfluß der Außenwelt unmittelbar unterliegt. Die ganze Organisation des Kindes unterliegt daher dem Einflusse der Außenwelt — im weitesten Umfange natürlich gedacht viel mehr als im späteren Lebensalter, wo man ganz auf die inneren Prozesse der Organe angewiesen ist, auch der Stoffwechselprozesse im Zusammenhange mit dem Bewegungsprozeß. Die Bewegungen spielen sich zwar in der äußeren Welt ab, aber dasjenige, was die ihnen zugrunde liegende Organisation ist, tendiert ebenso nach dem Inneren des Menschen, wie die Nerven-Sinnesorganisation nach außen tendiert. Wir finden daher, daß unter dem Einfluß der präponderierenden Nerven-Sinnesorganisation beim Kinde auftreten können jene Prozesse, die man zusammenfassen kann dann etwa unter dem Namen der exsudativen Diathese, Lockerungen der Gewebe, die beim Kinde eigentlich ganz generell, allgemein im Organismus auftreten können.

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Cite: GA 319/1923-09-02/p023 · edition original