Zweiter Vortrag
Und formt man so im Laboratorium den entgegengesetzten Prozeß vom Fruktifikationsprozeß bei den Gramineen, formt man ihn zum Heilmittel und versucht man namentlich dieses Heilmittel dadurch zur Wirksamkeit zu bringen, daß man es durch Impfung, Vakzination anwendet, also unmittelbar in den Organismus einführt durch Impfung, dann kann man tatsächlich dieser Überempfindlichkeit gegen dieselben atmosphärischen Einflüsse, die bei den Gramineen günstig sind, beim Menschen aber einen Krankheitsprozeß erregen, entgegenwirken. Wir haben tatsächlich bei diesem Heilmittel, das bei uns als «Gencydo» gemacht wird und in der weitaus größten Zahl der Fälle sich als außerordentlich wirksam erwiesen hat beim Catarrhus aestivus, gerade sehen können, wie es möglich ist, durch entsprechende Formungen von Prozessen, die uns ja eigentlich die Natur vormacht, zu Heilmitteln zu kommen. Wir müssen nur wissen, in welchem Falle wir dem Naturprozeß entgegenarbeiten müssen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn gerade die Sinnes-Nerventätigkeit präponderiert, und wir werden später sehen, wann wir mit dem Naturprozeß gehen müssen. Man muß nur wissen, wie man in jedem Fall vorgehen muß. So daß wir also nicht nur dasjenige benutzen, was laboratoriumsmäßig chemisch entweder im Sinne der Naturprozesse oder entgegen der Naturprozesse geschehen muß, was wir als Heilfaktoren und eben nicht nur als Substanzen haben, sondern vor allen Dingen auf die Zubereitungsweise achten, indem wir auf dasjenige schauen, was wiederum in der äußeren Natur den Prozeß als solchen herbeiführt, das Dynamische am Prozeß ausmacht. Dieses Dynamische versuchen wir zu imitieren in technischer Weise, um dadurch gerade die Heilfaktoren aus der Natur herauszuziehen.
Cite:
GA 319/1923-09-02/p029 · edition original