Dritter Vortrag
Bedenken Sie die Folge einer solchen Anschauung. Man glaubt, so etwas wie der Nervenprozeß sei ein aufsteigender Prozeß, und als solcher, als aufsteigender Prozeß, wie der Wachstumsprozeß oder wie der Ernährungsprozeß, sei er die Grundlage des Denkens, des Vorstellens. Das ist ja gar nicht möglich. Die Grundlage des Vorstellens ist ein Abbauprozeß. Die Materie muß erst zerstört und die Zerstörungsprodukte plastisch geformt werden, damit sie die Grundlage abgeben können für das Funktionieren des Geistigen in uns, für die Gedanken. Wir müssen erst unsere materielle Grundlage zerstören, wir müssen gewissermaßen erst Löcher in das Gehirn schlagen, damit wir denken können. Also nicht etwa auf den organischen Wachstumskräften beruht die Fähigkeit des Denkens, sondern damit der Geist in unsere Organisation einziehen kann, ist es notwendig, daß diese Organisation erst einem Abbauprozeß, einem Zerstörungsprozeß, einem partiellen Ertötungsprozeß unterliegt.
Cite:
GA 319/1923-09-03/p034 · edition original