Dritter Vortrag
Sehen Sie überall nach, wie es die äußeren Wissenschaften machen. Ist man imstande, durch irgendeine theoretische Anschauung vorauszusagen, was eintreten soll, dann sieht man nicht auf die Menge der Fälle, die verifizieren, sondern wenn man die Bedingungen wirklich richtig herstellt und das Vorausgesagte sich erfüllt, dann hält man zunächst dasjenige, was man angenommen hat, für verifiziert. Und insbesondere ist es ja wichtig für das Praktische, daß eine solche Verifizierung eintritt, denn die Praxis zeigt ja auf diesem Gebiete immer, ob wir mit unseren Voraussagen recht haben oder nicht. Dasjenige also, was erreicht werden kann durch dieses Hinlenken der Menschenerkenntnis von der bloßen physischen Natur zur geistigen Natur, das ist, daß wir lernen, die Prozesse, die wir in der Pathologie beobachten, bei einer therapeutischen Behandlung so vorauszusehen, wie wir sonst im Laboratorium oder im physikalischen Kabinett einen äußeren Naturprozeß voraussagen. Tritt er in der Weise ein, wie wir ihn vorausgesagt haben, so haben wir die Sache durchschaut. So dehnen wir das wirklich Wissenschaftliche so aus, wie wir es gewohnt sind in der Physik zu machen, während wir in den biologischen Wissenschaften, und namentlich in ihrer praktisch therapeutischen Verwertung, eben heute durchaus sehen, daß eine bloße empiristische Methode da ist. Es handelt sich also nicht darum, weniger Wissenschaft zu haben, sondern mehr Wissenschaft zu haben, um zu einer wirklich rationellen, das heißt, auch durchschaubaren Erkenntnis des Zusammenhanges zwischen Pathologie und Therapie zu kommen.
Cite:
GA 319/1923-09-03/p042 · edition original