Fünfter Vortrag

GA 319/1923-11-15/p008 ·1923-11-15 · original (original)
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Die zweite Arbeit ist dann eine solche, daß ein wissenschaftlichmedizinischer «Glaube» in dem Maße, in dem er exakte Wissenschaft werden kann, zu einer solchen gemacht worden ist. Sie werden nicht voraussetzen, daß ich hier irgendwie eintreten will für das vielumstrittene Gebiet der Homöopathie in ihrem Verhältnis zur Allopathie, das fällt mir nicht ein, denn ich weiß, wieviel Laienhaftes und Dilettantisches in der gewöhnlichen homöopathischen Anschauung steckt. Aber nicht geleugnet werden kann, daß von Substanzen in großer Verdünnung, selbst auf äußerem physikalischem Gebiete, die weitgehendsten Wirkungen da sein können. Es ist also von vornherein nicht vorauszusetzen, daß Substanzen in starker Verdünnung nicht immerhin Wirkungen haben können. Denken Sie nur daran, daß zahlreich diejenigen Wirkungen sind, die ausgeübt werden beim Inhalieren von irgendwelchen Substanzen, die in einer außerordentlich feinen Verteilung da sind. Wir beachten oftmals nicht, wenn wir Menschen sich in ein Bad setzen lassen, daß es viel wichtiger ist, daß sie inhalieren, was verdunstet, wobei gewisse Substanzen in einer sehr starken Verdünnung sind, daß dies viel wichtiger ist als das, was das Bad von außen bewirkt. Das alles war aber bisher eine Art wissenschaftlicher Glaube. Wir haben nun tatsächlich versucht, diesen Glauben - in den Grenzen natürlich, in denen er berechtigt ist; es darf das, was dabei herauskommt, natürlich nicht zu einem Allheilmittel werden — wissenschaftlich zu begründen, indem wir Verdünnungen in einem Verhältnis bis eins zu einer Trillion herstellten, so daß wir wirklich schon sagen können: dabei handelt es sich wirklich nicht mehr darum, daß die gewöhnliche stoffliche Wirkung zutage tritt, sondern um die Funktion, die in den Stoffen lebt, die übergeht in das Medium. Man hat es dabei mit nichts anderem zu tun als mit der funktionellen Form. Wir haben dabei aber doch zustande gebracht, daß wir nachweisen konnten, daß die verdünnten Entitäten rhythmische Wirksamkeiten entfalten, die erstaunlich sind. Wir haben uns dazu des Wachstums von Samenkörnern bedient. Wir waren in der Auswahl der Samenkörner exakt und vorsichtig. Wir haben die Samenkörner keimen lassen in Metallösungen, wobei wir die Metallverbindung in entsprechender Verdünnung benutzt haben, und wir haben wirklich nachweisen können, wie auf die Wachstumskräfte der Pflanzen die Metallösungen in der Verdünnung von eins zu zehn, eins zu zwanzig, eins zu fünfzig, eins zu hundert, eins zu fünfhundert und so weiter wirksam sind. Man bekommt da interessante Kurven heraus, die eine große Regelmäßigkeit zeigen, so daß man sagen kann: Bei einer gewissen Verdünnung wird die vitalisierende Kraft noch in einer gewissen Weise beeinflußt; geht man weiter in der Verdünnung, so wird diese Beeinflussung geringer. Geht man noch weiter, so erfährt dann durch die größere Verdünnung die vitalisierende Kraft wieder eine größere Beeinflussung. Das gibt eine absteigende und eine aufsteigende Kurve, die dann der Ausdruck sind für die Wirkungen von stark verdünnten Entitäten, die sich exakt rechtfertigen lassen. Und damit ist der kleine Teil, der Ausschnitt dessen, was — ich sage ausdrücklich -— die Homöopathie mißbraucht, zum Range eines exakten Forschungsgebietes erhoben worden. Ich sage das nicht deshalb, um gerade diesen Ergebnissen in erster Linie die größere Bedeutung beizumessen; ich sage es nur, um zu zeigen, daß wir uns durchaus bemühen, nicht in dilettantischer, laienhafter Weise außerhalb der Wissenschaft zu arbeiten, sondern uns durchaus zunächst auf den Boden gegenwärtiger, in der Wissenschaft gebräuchlicher Forschungsmethoden zu stellen. Aber von da aus müssen wir dann entsprechend weitergehen.

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Cite: GA 319/1923-11-15/p008 · edition original