{"corpus":"steiner","locus":"GA 319/1923-11-15/p016","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Macht man nun solche Denkübungen durch, von denen ich gesprochen habe, dann kommt man wiederum darauf - allerdings jetzt auf einem seelischen Niveau -, in diesem Denken etwas Ähnliches zu ergreifen, was so stark, so aktiv ist wie das noch im Organismus steckende Denken, das beim Kinde bis zum Zahnwechsel hin aber zugleich Wachstums- und Organisationskraft ist. Das ist der zweite Mensch, den man in sich entdeckt: es ist auf einem höheren Niveau dasjenige, was nun nicht das gewöhnliche, bloß passive Denken ist, sondern was uns als ein zweiter, ätherischer Leib - ich bitte, sich nicht an dem Ausdruck zu stoßen — durchorganisiert. Also es handelt sich nicht bei der anthroposophischen Forschungsmethode darum, daß man nun schwefelt von einem ausgedachten ätherischen Leib, sondern darum, daß man in der Tat - ich kann hier nur Andeutungen geben — überall empirisch hinweisen kann, wie das, was man nun durch die besonderen Erkenntnismethoden findet, real tätig ist in der menschlichen Natur; denn wenn wir ein Kind anschauen, so wirkt ja das, was wir später im Gedanken finden. Will ich also beim Kinde die Wachstumskräfte begreifen, will ich wissen, wie da besonders Vitalisierendes drinnen ist, so habe ich es in dem, was ich imaginative Erkenntnis nenne, denn die macht es zum inneren Bewußstseinsinhalt. Liegen also etwa in den Kräften, die beim Kinde Wachstumskräfte sind, später in das seelische Leben übergehen, dann aber passiv wirken, liegen in diesen Wachstumskräften Heilkräfte, so kann ich diese Heilkräfte nur erforschen, wenn ich nun wiederum dazu komme, mit der eigentlichen geisteswissenschaftlichen Methode das anzuschauen und innerlich zu erleben, was die vitalisierenden Kräfte sind. Das gibt die Möglichkeit, in der Tat nicht bloß etwas Phantastisches in den Dingen zu sehen, die man sich da erobert, sondern etwas, was im menschlichen Organismus wirksam ist, und damit die äußere Anthropologie durch innere Empirie zu einer wirklichen Anthroposophie zu machen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Fünfter Vortrag","site_heading":null,"date":"1923-11-15","location":null,"word_count":307,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/319/1923-11-15/p016","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/319/1923-11-15/p016"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/319/1923-11-15/p016","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}