{"corpus":"steiner","locus":"GA 319/1923-11-15/p035","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"So kommen wir auf diese Weise dazu, den Blick auf die ganze Natur hinzuwenden. Was die schöne Natur draußen ist, sind eigentlich lauter imitierte Krankheitsprozesse. Beim Menschen sind es innerlich Krankheitsprozesse, draußen ist es die wunderbar schöne Natur. Aber man muß den Zusammenhang verstehen und muß wissen, wie man aus dem weiten Felde der Naturprozesse in den Menschen Krankheitsfunktionen hineinbringt und dadurch Krankheitsprozesse den übersinnlichen Gliedern der menschlichen Natur abnehmen kann. Jetzt ist man nicht mehr auf eine Statistik angewiesen! Denn erkennt man einen solchen Zusammenhang durch inneres Durchschauen, und schaut man an, wie die Wirkungen auftreten müssen, dann ist das ebenso wie bei einem in exakter Wissenschaftlichkeit richtig ausgeführten physikalischen Experiment. Da geht man ja auch nicht gerade nach der Statistik vor, sondern da weiß man, zum Beispiel beim Mariotte-Gay-Lussac’schen Gesetz, daß das ein exakt ausgeführtes Experiment ist, das, wenn es exakt ausgeführt ist, auch beweisend ist. Beim Menschen ist es zwar nicht so einfach wie bei einem physikalischen Experiment, aber es ist eigentlich ebenso, wenn man beim Durchschauen des Krankheitsprozesses angeben kann: da muß dies oder jenes wirken -, und wenn man dann Stück für Stück sieht, wie es wirkt. Was dabei notwendig ist —- und das ist das, was eben gerade in dem Klinisch-Therapeutischen Institut von Frau Dr. Wegman in Arlesheim in einem so hohen Maße vorhanden ist —, das ist, daß man wirklich verbannt alle ärztliche Skepsis; denn die ist eigentlich das, was einem fortwährend die stärksten Hindernisse in den Weg legt. Was bei Frau Dr. Wegman vorhanden ist, das ist der Mut des Heilens. Der Mut des Heilens gehört zu allem dazu! Dann kommt man auch dazu, den Krankheitsprozeß zu schauen, und daß man anfängt ihm zu begegnen, indem man ihn sozusagen abfängt. Aber dann wird besonders wichtig, darauf zu sehen, wie das alles auch wirklich eintritt, wenn man nicht schlampig ist; sondern daß man den Heilungsprozeß verfolgt von Stufe zu Stufe. Und dann weiß man ja auch, wo etwas nicht in Ordnung ist; dann muß man zurückgehen und erforschen, wo man etwas übersehen hat. Aber wenn man dann in jedem einzelnen Falle den Mut des Heilens hat und tatsächlich nichts anderes voraussetzt, nichts anderes will als Heilen, als die Krankheitsprozesse mutvoll zu heilen, dann hat man dasjenige, wovon man sich am allerstärksten angeregt fühlen kann, als eine solche exaktwissenschaftliche Grundlage der Medizin, die aus einer exakten Pathologie nicht erst bloß als Konsequenz eine rationelle Therapie herausarbeiten will, sondern die schon in der Diagnose den Heilprozeß hat. Dann kann man gar nicht anders über den Krankheitsprozeß sprechen, als daß man zugleich mit der Diagnose schon die Therapie hat. Man beschreibt dann schon die Nierenerkrankung so, daß die Beschreibung ganz ähnlich ist dem, was im Equisetum arvense geschieht: man überträgt das, was man in der Niere schaut, auf ein äußeres Naturgeschehen; so daß man im Diagnostizieren so beschreibt, daß die Diagnose den Heilprozeß enthält.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Fünfter Vortrag","site_heading":null,"date":"1923-11-15","location":null,"word_count":478,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/319/1923-11-15/p035","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/319/1923-11-15/p035"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/319/1923-11-15/p035","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}