Siebenter Vortrag

GA 319/1924-07-17/p003 ·1924-07-17 · original (original)
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Die Leitung der Anthroposophischen Gesellschaft, die von mir hier einen Vortragskursus über pädagogische Gegenstände veranlaßt hat, hat es auch angemessen gefunden, daß ich einige öffentliche Vorträge halte, welche die Beziehungen anthroposophischer Geisteswissenschaft zur Heilkunst zum Gegenstande haben. Es wird notwendig sein, daß ich heute abend eine Art einleitenden Vortrag halte und den eigentlichen Gegenstand, die Befruchtung der Heilkunst durch die Anthroposophie, in den beiden nächsten Vorträgen behandele - aus dem Grunde, weil zur großen Befriedigung der Veranstalter viele Zuhörer erschienen sind, welche mit Anthroposophie noch weniger bekannt sind, und Vorträge, die ein spezielles Kapitel behandeln, mehr in der Luft hängen würden, wenn ich nicht heute eine Art einleitenden Vortrag über Anthroposophie im allgemeinen den eigentlichen Betrachtungen vorangehen ließe, die das Gebiet des Medizinischen berühren sollen. Anthroposophie will ja nicht das sein, was ihr von so vielen Seiten nachgesagt wird: irgendeine Art von Schwärmerei oder Sektierertum; sondern sie will sein eine ganz ernste, im wissenschaftlichen Sinne gehaltene Betrachtung der Welt, nur daß diese Betrachtung der Welt in ebenso ernster Weise auf das geistige Gebiet gerichtet sein soll, wie wir heute gewohnt sind, wissenschaftliche Methoden angewendet zu finden auf das materielle Gebiet. Nun könnte es ja scheinen, als ob von vornherein mit der Hinwendung auf das Geistige für viele Menschen heute etwas Unwissenschaftliches gegeben werde, aus dem Grunde, weil eine allgemeine Meinung diese ist: daß man nur das wissenschaftlich erfassen könne, was sich durch sinnliche Erfahrung erkennen läßt, und was der Verstand, der Intellekt des Menschen aus dieser sinnlichen Erfahrung gewinnen kann. Die Meinung vieler Menschen ist: in dem Augenblicke, in dem man übergeht auf das Geistige, habe die wissenschaftliche Resignation einzutreten, in der Art, daß man sagt, über das Geistige könne nur eine subjektive Meinung, eine Art Gefühlsmystik entscheidend sein, die jeder mit sich selbst abmachen müsse, Glaube müsse da an die Stelle wissenschaftlichen Erkennens treten. Daß dies nicht der Fall sein soll, dies gerade zu zeigen, soll die Aufgabe dieses einleitenden Vortrages sein.

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