Achter Vortrag
So hat man also, wenn man in dieses Wundergebilde des menschlichen Organismus hineinschaut, in jedem einzelnen Organ einen Aufbau, wodurch das Organ dem Wachstum, der fortschreitenden Entwickelung dient, und einen Abbau, wodurch es der rückschreitenden physischen Entwickelung dient, aber damit gerade dem Platzgreifen des Geistig-Seelischen im Menschen. Und schon das letzte Mal sagte ich: Der Gleichgewichtszustand zwischen Aufbau und Abbau, der für jedes Organ im Menschen in einer bestimmten Weise da ist, er kann gestört sein. Der Aufbau kann überwuchern, dann haben wir es mit krankhaften Zuständen zu tun. Wenn wir so in die Menschenwesenheit hineinschauen - ich kann die Dinge zunächst nur mit einiger Abstraktion darlegen; sie werden nachher schon konkreter zum Ausdruck kommen - und wenn wir gewissenhaft mit wissenschaftlicher Verantwortung vorgehen, daß wir nicht nur im allgemeinen phrasenhaft herumreden: Es ist Aufbau und Abbau vorhanden -, sondern wenn wir daraufhin jedes einzelne Organ wirklich studieren, und zwar mit derselben wissenschaftlichen Gewissenhaftigkeit, die man gelernt hat an wissenschaftlichen Beobachtungen, die es heute zu so großer Vollkommenheit gebracht haben, dann schaut man eben hinein in jene Gleichgewichtszustände, die für die einzelnen Organe bestehen müssen und hat die Möglichkeit, eine Anschauung zu bekommen von dem gesunden Menschen. Ist irgendwie nach der einen oder anderen Richtung, nach der Richtung des Aufbaues oder nach der des Abbaues, das Gleichgewicht der Organe gestört, dann hat man es zu tun mit irgend etwas Krankhaftem im menschlichen Organismus.
Cite:
GA 319/1924-07-21_02/p007 · edition original