Erster Vortrag

GA 320/1919-12-23/p015 ·1919-12-23 · original (original)
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Goethe verwendet das ganze naturwissenschaftliche Denken nicht in diesem Stil. Er geht gar nicht in seiner Naturforschung von dem sogenannten Bekannten in das sogenannte Unbekannte hinein, sondern er will immer in dem Bekannten stehen bleiben, ohne dass er sich zunächst darum bekümmert, ob das Bekannte bloß subjektiv ist, also eine Wirkung auf unsere Sinne oder auf unsere Nerven oder auf unsere Seele, oder ob es objektiv ist. Solche Begriffe, wie die der subjektiven Farbenerscheinungen und der objektiven Wellenbewegungen draußen im Raums, solche bildet sich Goethe gar nicht, sondern ihm ist dasjenige, was er ausgebreitet im Raum, was er vorgehend in der Zeit sieht, ein durchaus Einheitliches, bei dem er sich nicht nach Subjektivität und Objektivität fragt. Er verwendet gar nicht jenes Denken und jene Methoden, die in der Naturwissenschaft angewendet werden, dazu, um von dem Bekannten auf das Unbekannte zu schließen, sondern er verwendet alles Denken, alle Methoden dazu, die Phänomene, die Erscheinungen selbst so zusammenzustellen, dass man durch diese Zusammenstellung der Phänomene, der Erscheinungen, zuletzt solche Erscheinungen bekommt, die er Urphänomene nennt, die nun wiederum, ohne dass man Rücksicht nimmt auf subjektiv und objektiv, das aussprechen, was er zur Grundlage seiner Welt- und Naturbetrachtung machen will. Also, Goethe bleibt stehen innerhalb der Reihe der Erscheinungen, vereinfacht sie nur und betrachtet dann dasjenige, was sich als einfache Erscheinungen überschauen lässt, als das Urphänomen.

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