Erster Vortrag
Ein Drittes, mit dem wir noch immer nicht an die Natur herandringen, ist das, was wir treiben in der sogenannten Phoronomie, in der Bewegungslehre. Nun ist es doch von einer gewissen Wichtigkeit, dass Sie sich klarmachen, wie auch diese Phoronomie etwas ist, was im Grunde genommen noch ferne steht der sogenannten wirklichen Naturerscheinung, Sehen Sie, wenn ich mir vorstelle - ich sehe nicht auf einen bewegten Gegenstand hin, sondern ich stelle mir vor -, dass ein Gegenstand sich bewegt von - sagen wir - von Punkt \(a\) nach Punkt \(b\). Ich sage sogar, es bewege sich der Punkt \(a\) nach Punkt \(b\) hin. Das stelle ich mir vor. Nun kann ich mir jederzeit vorstellen, dass diese Bewegung von \(a\) nach \(b\), die ich durch den Pfeil angedeutet habe, aus zwei Bewegungen zusammengesetzt ist. Nämlich, denken Sie sich einmal: Der Punkt \(a\) würde nach \(b\) kommen sollen, aber er würde nicht gleich die Richtung nach \(b\) einschlagen, sondern er würde sich zunächst in dieser Richtung bewegen bis \(c\). Wenn er sich dann hinterher von \(c\) nach \(b\) bewegt, so kommt er auch bei \(b\) an. Ich kann also die Bewegung von \(a\) nach \(b\) mir auch so vorstellen, dass sie nicht auf der Linie \(a-b\) verläuft, sondern auf der Linie oder auf den zwei Linien \(a-c-b\). Das heißt, ich kann mir vorstellen, dass die Bewegung \(a-b\) zusammengesetzt ist aus der Bewegung \(a-c\) und \(c-b\), also aus zwei anderen Bewegungen. Sie brauchen gar nicht einen Naturvorgang zu verfolgen, sondern Sie können sich vorstellen, dass die Bewegung \(a-b\) aus den beiden anderen Bewegungen zusammengesetzt ist, das heißt, dass statt der einen Bewegung die beiden anderen Bewegungen mit demselben Effekt ausgeführt werden könnten. Wenn ich mir das vorstelle, so ist dieses Vorgestellte rein aus mir herausgesponnen. Denn statt dass ich das gezeichnet habe, hätte ich Ihnen Anleitung geben können zum Vorstellen der Sache, und das müsste eine für Sie gültige Vorstellung sein.
Cite:
GA 320/1919-12-23/p022 · edition original