Erster Vortrag
Und das war, ich möchte sagen, in einem tiefen Naturinstinkt für Goethe etwas, was ihm durchaus klar-unklar war, weil es bei ihm Naturinstinkt war, worauf er aber seine ganze Naturanschauung baute. Und der Gegensatz zwischen Goethe und dem Naturforscher, wie er repräsentiert wird durch Newton, besteht eigentlich darinnen, dass die Naturforscher [nur] das betrachtet haben in der neueren Zeit: die äußere Natur durchaus im Sinn der Zurückführung auf Zentralkräfte zu beobachten, aus ihr gewissermaßen alles das hinauszuwälzen, was sich nicht durch Zentralkräfte und Potentiale feststellen lässt. Goethe wollte solch eine Betrachtung nicht gelten lassen, weil für ihn dasjenige, was man unter dem Einfluss dieser Betrachtung Natur nennt, nur eine wesenlose Abstraktion ist. Für ihn ist ein wirkliches Reale nur das, in das hineinspielen sowohl Zentralkräfte wie peripherische [Kräfte] als Universalkräfte. Und auf diesen Gegensatz ist im Grunde genommen auch seine ganze Farbenlehre aufgebaut. Nun, davon wird ja in den nächsten Tagen im Einzelnen zu sprechen sein.
Cite:
GA 320/1919-12-23/p046 · edition original