Erster Vortrag
Sehen Sie, ich musste insbesondere durch Berücksichtigung dessen, was ich mir vorgesehen habe heute, diese Einleitung zu Ihnen sprechen als eine Verständigung darüber, wie eigentlich das Verhältnis des Menschen zu der Naturbetrachtung ist. Man muss in unserer Zeit umso mehr einmal sich einer solchen Betrachtung hinwenden, wie wir sie heute gepflogen haben, aus dem Grunde, weil eigentlich heute wirklich die Zeit herangekommen ist, wo schimmert, möchte ich sagen, unterbewusst das Unmögliche der heutigen Naturanschauung [und] mancherlei von der Einsicht, dass es anders werden muss. Man lacht heute noch vielfach darüber, wenn Leute darauf kommen, dass es mit der alten Anschauung nicht geht. Aber es wird eine Zeit kommen, die gar nicht ferne liegt, wo dieses Lachen den Menschen vergehen wird, die Zeit, wo man auch physikalisch im Sinne Goethes wird sprechen können. Man wird vielleicht über die Farben im Sinne Goethes sprechen, wenn eine andere Burg erstürmt sein wird, die als noch viel fester gilt und die eigentlich heute auch schon ins Wanken gekommen ist. Das ist die Burg der Gravitationslehre. Gerade auf diesem Gebiete tauchen heute fast jedes Jahr Anschauungen auf, die an den Newton’schen Vorstellungen von der Gravitation rütteln, die davon sprechen, wie unmöglich es eigentlich ist, mit diesen Newton’schen Vorstellungen von der Gravitation zurechtzukommen, die ja rein darauf beruhen, dass der bloße Mechanismus der Zentralkräfte einzig und allein figurieren soll.
Cite:
GA 320/1919-12-23/p047 · edition original